Aufsichtsrats-Ranking
Die Überwacher der Dax-Konzerne

Noch führt Multiaufseher Gerhard Cromme das Handelsblatt-Ranking der einflussreichsten deutschen Aufsichtsräte an. Doch ein weiterer Tausendsassa schickt sich an, den führenden Kontrolleur von der Spitze zu verdrängen.
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Wer zieht die Fäden im Hintergrund? Wer ist der einflussreichste Aufsichtsrat in den wichtigsten börsennotierten deutschen Aktiengesellschaften? Das jährliche Handelsblatt-Ranking beantwortet diese Frage klar: Gerhard Cromme, Aufsichtsratsvorsitzender bei Siemens und Thyssen-Krupp sowie mit weiteren Mandaten bei der Allianz und dem Springer-Verlag bestens ausgelastet, ist weiterhin der mächtigste Aufseher der Republik. Vorerst. Denn im September wird Cromme die langjährige Spitzenposition an Paul Achleitner abgeben müssen.

Grund ist nicht etwa die Übernahme weiterer Mandate durch den neuen frisch gekürten Deutsche-Bank-Chefkontrolleur Achleitner oder der Verlust eines Postens für Cromme. Es ist ein indirekter Effekt, weil in das Ranking auch Reputation, Netzwerk und Status einfließen. Und durch einen Wechsel bei Bayer gewinnt Achleitner wichtige Netzwerkpunkte.

Bei Bayer übernimmt Werner Wenning das Ruder, der 74-jährige Multiaufseher Manfred Schneider (RWE, Linde) steigt in Leverkusen aus. Wenning rückt im Herbst auf Platz fünf der mächtigsten Aufseher der Republik.

Nach Ablauf der Hauptversammlungssaison avancieren Siemens-Chef Peter Löscher (Deutsche Bank, Munich Re) oder Franz Haniel (Metro, BMW), der für 600 Gesellschafter des Duisburger Mischkonzerns Haniel spricht, in die Topgruppe der 30 einflussreichsten Kontrolleure. Auch Ex-Allianz-Finanzvorstand Helmut Perlet (Allianz, Gea) steigt in diesen Kreis auf.

Jürgen Kluge und Hennig Schulte-Noelle sind dagegen im Handelsblatt-Ranking der mächtigsten Aufseher abgestiegen. Schulte-Noelle vor allem, weil er seinen Chefposten als Allianz-Aufseher an Perlet übergab. Kluge dagegen ist Opfer des Streits um Strategie und Einfluss im Dax-Konzern Metro. Dort musste er nicht nur den Vorsitz des Aufsichtsrats an den Repräsentanten des Großaktionärs Franz Haniel abgeben. Auch seine Tage beim Pharmagroßhändler Celesio und beim Büromöbelversender Takkt dürften gezählt sein. Denn beide Unternehmen gehören zum Einflussbereich des Haniel-Clans.

Beim Handelsblatt-Ranking werden nicht nur die Mandate gezählt und mit der wirtschaftlichen Bedeutung des jeweiligen Unternehmens gewichtet. Die Wissenschaftler der Universität Göttingen, die unter Leitung von Professor Michael Wolff das Ranking regelmäßig für das Handelsblatt aktualisieren, werten auch Netzwerke und Status der Aufseher aus.

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