Aufsichtsratschef agiert als Sanierer
Ein Kontrolleur, der regieren will

Wenn Karstadt-Quelle heute früh in einem Hotel vis à vis der Essener Konzernzentrale Rechenschaft über das abgelaufene Geschäftsjahr gibt, steht ein Top-Manager im Mittelpunkt, den Beobachter weder auf dem Podest noch im Auditorium finden werden. Dabei sähe ohne ihn heute im Konzern womöglich alles anders aus. Sogar Interimschef Harald Pinger, dem die Präsentation des mit Abstand höchsten Verlust in der 124-jährigen Unternehmensgeschichte zufällt, verdankt der schillernd Figur im Hintergrund des Essener Konzerns seien Job: Thomas Middelhoff, Ex-Bertelsmann-Lenker und seit Juni 2004 Vorsitzender des Karstadt-Quelle-Aufsichtsrats.

DÜSSELDORF. Der hoch gewachsene Düsseldorfer mit der randlosen Brille regiert als oberster Konzernkontrolleur wie kaum ein zweiter Aufsichtsrat in Deutschland. Von der alten Vorstandsgarde, die den Niedergang des Konzerns über Jahre nicht in den Griff bekam, trennte sich Middelhoff fast vollständig. Allein Warenhauschef Helmut Merkel, dem Brancheninsider eine hohe Einzelhandels- und Führungskompetenz bescheinigen, durfte an Bord bleiben.

Mit Finanzvorstand Harald Pinger und Personalchef Matthias Bellmann holte sich Middelhoff dagegen eigene Spitzenleute ins Haus, die sich in der Vergangenheit als Sanierer bewährt haben, und ließ es auf einen Machtkampf gegen Vorstandschef Christoph Achenbach ankommen. Den entschied er in der vergangenen Woche klar für sich.

Weitaus schneller als erwartet ist es dem Kommunikationstalent Middelhoff gelungen, seinem introvertierten Widersacher an der Vorstandsspitze ein vorzeitiges Ende zu bereiten. Für Middelhoff eine stolze Leistung, denn bis zuletzt galt Achenbach als enger Vertrauter der Großaktionärin Madeleine Schickedanz. Vor 16 Jahren schon hatte der Handelsfachmann bei der Quelle Schickedanz AG angeheuert, um später das Vorstandssekretariat der Quelle-Erben in Fürth zu leiten. Achenbach wusste nicht nur, wen er im Konzern für seine Zwecke einspannen konnte, beim Start in Essen war ihm auch die Rückendeckung der Hauptanteilseignerin sicher.

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