Aufsichtsratschef
Janssen räumt bei Arcandor kräftig auf

Topbanker Friedrich Varl Janssen fackelt nicht lange: Der neue Aufsichtsratschef von Arcandor räumt beim Handels- und Touristikkonzern mächtig auf. Sein Mandat bei Arcandor ist für Janssen eine zweite Chance. Und das in einer Branche, die dem Abgrund bedrohlich nahe ist.

DÜSSELDORF/FRANKFURT. Als kühler Rechner gilt er, als Zahlenmensch, auch wenn Friedrich Carl Janssen mit seinen bis auf die Schulter fallenden Haaren eher daherkommt wie ein französischer Intellektueller. Doch das auffällige Aussehen trügt. Janssen gehört zur diskreten Riege der persönlich haftenden Gesellschafter bei Europas größter Privatbank Sal. Oppenheim. Und weil das Kölner Bankhaus seit einigen Wochen heftig beim kriselnden Warenhaus- und Touristikkonzern Arcandor investiert ist, hat ihn Institutsleiter Matthias Graf von Krockow als Oberaufseher nach Essen kommandiert.

Dort also überwacht Janssen nun seit einigen Wochen die Geschäftsbesorgung durch Thomas Middelhoff, der den Arcandor-Konzern schon seit Jahren zu sanieren trachtet. Offenbar ist es in Janssens Augen beim Versuch geblieben, denn der Top-Banker greift nun durch und macht auch vor ruppigen Personalentscheidungen nicht halt: Erst mussten die Einkaufs- und Finanzvorstände gehen, dann traf es auch Arcandor-Chef Thomas Middelhoff. Und das, obwohl der schon lange eng mit der Kölner Bank verbandelt ist, geschäftlich, aber auch privat.

Doch bei den Finanzen hört die Freundschaft wohl auf. Zumindest in Bankkreisen ist zu vernehmen, Janssen sei das Management um Middelhoff zunehmend suspekt geworden. Und so installiert er nun einen echten Finanzexperten, einen Controller, dem er zutraut, das Bilanzkonstrukt und Firmengeflecht bei Arcandor noch zu durchblicken.

Also schlägt spätestens im März Karl-Gerhard Eick in Essen auf, seines Zeichens Finanzvorstand bei der Deutschen Telekom, ein Manager, der in der Bonner Behörde den Ruf eines „Stabilisators“ und, noch viel wichtiger, eines „Strategen“ genießt, eines Mannes, dem im Konzern so schnell nichts entgeht.

Damit ähnelt er im Profil seinem neuen Mentor, der am liebsten im Hintergrund an Strippen zieht. Das Reden überlässt Janssen gewöhnlich Graf Krockow. „Aber Janssen weiß genau, wen man wann, zu was und wo ansprechen muss“, sagt jemand, der ihn lange kennt.

Das passt ins Bild, denn Janssen verantwortet bei Sal. Oppenheim nicht nur das Risiko-, sondern auch das Beteiligungsmanagement – ein klassischer Fall für die hohe Kunst der Kontaktpflege. Und die hat er schon zu Studienzeiten erlernt und später verfeinert, in Köln-Marienburg, jenem Viertel, wo seit jeher das kölsche Unternehmertum residiert – übrigens auch die Familie Oppenheim und, wen wundert es noch, Karl-Gerhard Eick.

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