Aufsichtsratssitzung
Conti bekommt neuen Zauberlehrling

Zur Stunde tagt der Aufsichtsrat von Conti. Schon jetzt ist es eine wegweisende Sitzung: Es wurden entscheidende Posten vergeben: Wolfgang Reitzle ist neuer Chefaufseher und Wolfgang Schäfer neuer Finanzvorstand. Vor allem Letzterer muss vermutlich mehr können als nur rechnen: zaubern.

STUTTGART/ HAMBURG. Im Leben des Managers Wolfgang Schäfer wird sich bald vieles ändern. Als kaufmännischer Geschäftsführer des mit 3,3 Mrd. Euro Umsatz zwar großen, als Familienunternehmen aber ziemlich verschwiegenen Autozulieferers Behr war seine Bühne die Fachwelt. Einmal im Jahr beschränkte sich sein Auftritt bei der Bilanzpräsentation auf vier Seiten Redetext, die er souverän präsentierte. Anglizismen wie „Working Capital Management“ gingen dem Finanzchef mit den halblangen Haaren und den blauen Augen locker über die Lippen.

Heute hat ihn der Aufsichtsrat des börsennotierten Autozulieferers Continental wie erwartet zum neuen Finanzchef berufen. Von nun an steht der 50-Jährige im Licht der Öffentlichkeit wie kein zweiter Kassenwart in der deutschen Autobranche.

Für den ehrgeizigen Schäfer ist der Wechsel von Stuttgart nach Hannover eine Riesenchance, sich Profil zu verschaffen – und gleichzeitig eine gewaltige Bürde. Sein im Streit mit Contis Großaktionär Schaeffler zermürbter Vorgänger Alan Hippe flüchtete zu Thyssen-Krupp. Hippe, der als junger Mann vom Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport zu Conti stieß, ist ein Star der Finanzszene. Schäfer wird stets mit ihm verglichen werden. Zeit zum Einarbeiten hat er nicht. Gemessen wird das Gewicht des Neuen gleich an einer extrem heiklen Aufgabe: Der nach der Übernahme des Rivalen VDO mit knapp zehn Mrd. Euro verschuldete Conti-Konzern benötigt dringend ein Finanzierungskonzept – ohne Kapitalerhöhung wird es nicht gehen. Doch schon der Begriff lässt in der Schaeffler-Zentrale in Herzogenaurach die Alarmglocken schrillen.

Der klamme Großaktionär fürchtet eine Verwässerung seines Anteils in Höhe von insgesamt 90 Prozent, bei einer Erhöhung kann er schlicht nicht mitgehen. Contis Finanzberater von Credit Suisse untermauerten vergangene Woche die Notwendigkeit einer Kapitalerhöhung. Zusätzlich soll eine hochverzinsliche Anleihe begeben werden. Schäfers künftiger Chef Elmar Degenhart gibt dem Aufsichtsrat heute einen Zwischenbericht.

Auf der Habenseite des neuen Finanzchefs steht etwas, was Hippe nie uneingeschränkt hatte: das Vertrauen von Großaktionär Schaeffler. Die Manager des fränkischen Familienunternehmens wissen Schäfers Erfahrungen mit Familieneigentümern zu schätzen. Die Erfordernisse eines börsennotierten Konzerns werde er schnell lernen, heißt es in Industriekreisen: „Es gibt nicht nur in Dax- und MDax-Unternehmen Manager, die gut sind.“

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