Aufwendungen nur noch beschränkt abziehbar
Ärztliche Notfallpraxis voll abzugsfähig

Der Bundesfinanzhof hat in einem jetzt veröffentlichten Urteil die Voraussetzungen klargestellt, unter denen die Kosten für die häusliche Notfallpraxis eines Arztes in vollem Umfang als Betriebsausgaben geltend gemacht werden können.

HB/mkm MÜNCHEN. Die Entscheidung ist vor dem Hintergrund zu sehen, dass die Aufwendungen für häusliche Arbeitszimmer seit 1996 entweder gar nicht mehr oder nur noch beschränkt abziehbar sind.

Der BFH hatte bereits in früheren Entscheidungen darauf hingewiesen, dass "Arbeitszimmer" im Sinne dieser Vorschrift nicht jeder im eigenen Wohnhaus eingerichtete Arbeitsraum, sondern lediglich das häusliche Büro ist, dessen zentrales Möbelstück für gewöhnlich der Schreibtisch ist. Es kann deshalb oft schwierig sein, die "Notfallpraxis" vom Arbeitszimmer zu unterscheiden, weil auch bei ihr regelmäßig der Schreibtisch im Mittelpunkt der Einrichtung stehen wird, wohingegen die medizinische Ausstattung hinter einer regulären Praxis zurücksteht.

Der BFH misst daher der leichten Zugänglichkeit der Praxis für den Patienten besondere Bedeutung bei. So auch im jetzt veröffentlichten Urteil. Räumlichkeiten, so der BFH, seien regelmäßig als Notfallpraxen einzustufen, wenn sie über einen eigenen, von den Privaträumen separierten Eingang verfügten. Ein solcher Eingang dokumentiere die Widmung für den Publikumsverkehr. Möglich sei aber auch ein gemeinsamer Eingangsbereich für Praxis und Wohnung (z.B. Windfang). Schädlich sei es dagegen, wenn etwaige Patienten die Wohnung des Arztes, zum Beispiel eine zum privaten Bereich gehörende Diele, betreten müssen. Auch das Garagentor als einziger Zugang zu den betreffenden Räumen reiche nicht aus, so die Finanzrichter.

Stehe aufgrund des ausreichend abgegrenzten Zugangs fest, dess es sich nicht um ein Arbeitszimmer handle, sei weiterhin zu prüfen, ob die Räume tatsächlich nahezu ausschließlich beruflich genutzt würden. Vorübergende Zeiten der Nichtnutzung dürften dabei nicht der außerbetrieblichen Nutzung zugerechnet werden. Im Streitfall schienen dem BFH Zweifel an der nahezu ausschließlich beruflichen Nutzung deswegen angebracht, weil sich die "Hauptpraxis" ganz in der Nähe befand. Der BFH verwies die Sache an das Finanzgericht zurück.

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