August von Finck
Ein Burgherr setzt auf Hochtief

Hoch über dem Schweizer Kanton Thurgau mit Blick auf die erste Aldi-Filiale des Landes thront eine Burg, die 1973 von der deutschen Industriellenfamilie von Finck erworben wurde. Sie lebt so zurückgezogen, dass selbst die Thurgauer nicht genau wissen, wie oft Familienoberhaupt August von Finck, genannt „Gustl“, hier ein- und ausgeht.

ZÜRICH. Die Eidgenossen kennen den deutschen Milliardär bloß aus der Zeitung: Der 76-Jährige verkaufte 1990 die Privatbank Merck, Finck & Co. an die englische Barclays Bank und investiert sein Geld seither vorwiegend in Schweizer Unternehmen. Dabei bewies er nicht immer eine glückliche Hand. Der Gastronomiekonzern Mövenpick, eine von von Fincks Anlageobjekten, hatte lange Mühe aus den roten Zahlen zu kommen.

Beim Stahlkonzern von Roll ist die Familie noch immer mit rund 15 Prozent beteiligt, dürfte aber nach einer lange andauernden Berg-und-Tal-Fahrt des Unternehmens nicht allzu viel Freude an dieser Investition haben. Mehr Glück hatte der Milliardär mit seinem Engagement beim Genfer Warenprüfkonzern SGS. Der Konzern war vom jetzigen Fiat-Chef Sergio Marchionne saniert worden, wovon die Aktionäre profitierten.

Gestern erfuhren die Schweizer, dass die Familie auch in Deutschland wieder shoppen gegangen ist. Über ihre in München ansässige Investmentgesellschaft Custodia hat sie ihre Anteile am Essener Baukonzern auf über 25 Prozent aufgestockt. Börsenwert: 750 Millionen Euro. Sie ist damit im Besitz einer Sperrminorität, was die Essener durchaus freut: Wegen des hohen Streubesitzes nach dem Ausstieg des Mehrheitsaktionärs RWE war der Konzern in der Vergangenheit immer wieder Gegenstand von Übernahmespekulationen.

Mit ihren Töchtern Leighton in Australien und Turner in den USA, wo das Baugeschäft boomt, dem sich erholenden Deutschland-Geschäft und nicht zuletzt dem erfolgreichen Ausbau des Dienstleistungsgeschäfts gilt Hochtief als attraktives Investment.

Die Familiengesellschaft wurde darüber hinaus in Essen wie ein alter Bekannter begrüßt. Sie war bis 1986 an Hochtief mit rund 25 Prozent beteiligt, verkaufte dann, stieg später wieder ein und erhöhte ihren Anteil in den vergangenen Jahren nach und nach. Außerdem hatte Hochtief zusammen mit dem Versicherungskonzern Allianz Grundstücke der Löwenbräu-Brauerei aus dem Besitz der von Fincks erworben.

Der Burgherr kann sich erst einmal an seiner Neuerwerbung erfreuen: Sein Einstieg ließ die Hochtief-Aktie um 3,5 Prozent steigen. Analysten erhöhten das Kursziel.

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