Aurelius
Ein Mann für die schwierigen Fälle

Dirk Markus, Chef der Beteiligungsgesellschaft Aurelius, kauft sanierungsbedürftige Unternehmen und bringt sie wieder in Schuss.
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MÜNCHEN. Dirk Markus fährt gerne einen heißen Reifen. Fast jedes Wochenende schwingt sich der 37-Jährige auf sein Mountain-Bike und flitzt durch die bayerischen Voralpen. Auch beruflich liebt er das Risiko. Zuletzt sorgte der Gründer der Industrie-Holding Aurelius mit dem Kauf des defizitären RTL-Shops und der Schnapsbrennerei Berentzen für Aufsehen - und Skepsis. Wie leicht derartige Übernahmen schiefgehen können, ließ sich gerade erst beim Konkurrenten Arques beobachten, den Markus einst mitgegründet hatte.

In der Branche gilt Markus als kreativer Kopf, der im Geschäft aber durchaus aggressiv auftreten kann. Riskante Geschäfte? Woher denn, sagt Markus, und die blauen Augen des jugendlich wirkenden Managers blitzen schalkhaft auf. Höchstens kontrolliertes Risiko: "Wir kaufen keine hoffnungslosen Fälle." Vollständige Sicherheit gebe es bei dem Geschäftsmodell von Aurelius nicht. Die Risiken seien aber wohlkalkuliert. Selbst wenn zum Beispiel die RTL-Shop-Sanierung nicht gelingen sollte, werde Aurelius damit kein Geld verlieren. "Das unterscheidet uns von anderen." In der Branche wird immer wieder mal gemunkelt, dass Aurelius manches Unternehmen nur kaufe, um Cash abzuzapfen. Der Gründer weist solche Vorwürfe entschieden zurück. Ziel sei die Sanierung, und bisher komme Aurelius im Portfolio dabei gut voran.

Nach der Betriebswirtschafts-Promotion in St. Gallen hatte Markus vier Jahre bei McKinsey das Handwerk in Sachen Kostenreduzieren und Restrukturieren gelernt. "Als Berater hat man ja immer eine schlaue Meinung, ich wollte aber selbst gestalten", begründet er seinen Wechsel auf die Unternehmensseite. Nach der erfolgreichen Gründung eines Internet-Start-ups hob er gemeinsam mit Peter Löw die Beteiligungsgesellschaft Arques aus der Taufe. 2004 verließ er das Unternehmen, das sich damals noch im steilen Aufstieg befand. Markus verkaufte seine Anteile, zu unterschiedlich seien er und Löw trotz aller Erfolge gewesen, heißt es in der Branche.

Wie auch immer, 2005 jedenfalls gründete der Vater von drei Kindern seine eigene Beteiligungsfirma. Aurelius hat inzwischen 15 Unternehmen im Portfolio, der gemeinsame Jahresumsatz liegt bei 1,3 Milliarden Euro. An der Börse war Aurelius zeitweise genauso viel wert wie Arques, der Kursverfall in den vergangenen Monaten fiel milder aus als bei den Starnbergern.

Das Geschäftsmodell der beiden Gesellschaften ähnelt sich stark. Beide erwerben Unternehmen in Krisensituationen zu einem oft nur symbolischen Preis. Anschließend wird eine Task-Force ins Unternehmen entsandt. Nach einigen Jahren soll dieses dann saniert mit einem möglichst kräftigen Gewinn weiterverkauft werden.

Die ständigen Vergleiche mit Arques hört Markus aber nicht so gerne. Denn bei seiner Ex-Firma gab es zuletzt viel Unruhe. Zwei Vorstandschefs verließen das Unternehmen binnen kurzer Zeit. Zudem wich Arques mit dem Kauf des profitablen IT-Großhändlers Actebis von seinem Geschäftsmodell ab und hat nun Schwierigkeiten, die Großakquisition zum Beispiel über einen Börsengang wieder loszuwerden. Ende vergangener Woche musste Arques noch dazu die Gewinnprognose für das Gesamtjahr kassieren.

Markus residiert in einer noblen Gründerzeitvilla an der Münchener Theresienwiese, direkt neben der neugotischen Paulskirche, einem der mächtigsten Kirchenbauten in der bayerischen Landeshauptstadt. Selbst jetzt, Mitte August, wenn die meisten Münchener in den Ferien sind, herrscht in den Besprechungs-räumen ein reges Kommen und Gehen. Viele Unternehmen suchen ei-nen Investor für kriselnde Firmenteile.

Das kann durchaus auch einmal schiefgehen. Vom hochdefizitären RTL-Shop zum Beispiel hätten andere Bieter am Ende lieber die Finger gelassen, sagt ein Branchenexperte. Wenn Markus den TV-Shop wieder auf die Beine bringe - und nicht nur die finanzielle Mitgift dankend nehme und den Laden abwickle -, dann habe er sich den Erfolg wahrlich verdient. Auch der Billigtextilversand Mode & Preis, den Markus kürzlich erwarb, sei in einer wenig hoffnungsvollen Lage.

Markus allerdings ist ausgewiesener Optimist. Die Medienbranche habe nie verstanden, wie der Handel funktioniert, sagt er. Der RTL-Shop könne zudem "riesige Synergien" mit Mode & Preis nutzen. Ähnlich zuversichtlich ist er bei der altehrwürdigen Schnapsbrennerei Berentzen, deren Marken zwar allseits bekannt, doch zumeist auch ziemlich angestaubt sind.

Kontrolliertes Risiko nennt Markus seine Taktik - und sieht hier auch die Unterschiede zur Konkurrenz. Er verzichte im Zweifel lieber auf einen Abschluss: "Das Schlimmste ist, sich schlechte Deals ins Haus zu holen." Mehr als acht bis zehn Übernahmen im Jahr seien ohnehin nicht sinnvoll. Zudem werde Aurelius bei seinen Leisten bleiben und weiterhin nur Firmen mit maximal etwa 500 bis 600 Millionen Euro Umsatz kaufen. "Man muss sich beherrschen können", sagt er.

Damit fahre das Unternehmen, das diese Woche Quartalszahlen veröffentlicht, bislang gut. Die kleine Kapitalerhöhung neulich sei keineswegs einem Bedarf an frischem Geld geschuldet gewesen, betont Markus. Investoren hätten sich vielmehr auf diesem Weg an dem Berentzen-Deal beteiligen wollen. Der Cash-Flow der Gruppe sei positiv, ein Abschreibungsbedarf bei den Beteiligungen nicht in Sicht. Zudem will Markus auch weiterhin eine kleine Dividende zahlen. "Der Markt mag eine gewisse Beständigkeit."

Für die Anleger ist ein Engagement bei den Beteiligungsgesellschaft allerdings immer auch eine Glaubenssache. Denn echte Transparenz gibt es auch bei den börsennotierten Holdings nicht. Wie sich die Ertragslage der Beteiligungen konkret entwickelt, ob vom Verkäufer mitgegebenes Geld wirklich in die Sanierung investiert wird oder in Cash-Pools versickert, all das ist von außen nur schwer ersichtlich. Schon beim Erwerb verbuchen die Beteiligungsgesellschaften zudem oft einen Gewinn, wenn der Preis unter dem Substanzwert liegt. Die Stunde der Wahrheit schlägt dann beim Ausstieg: So musste Arques im abgelaufenen Quartal beim Verkauf der kriselnden Textilkette Schöps hohe Abschreibungen vornehmen, um die Beteiligung loszuwerden.

Der gebürtige Regensburger Markus sieht das Thema entspannt. Man dürfe den Exit nicht künstlich pushen, sagt Markus. Solange der Cash-Flow positiv sei, bestehe kein Grund zur Eile. Für die Zukunft hat er hochfliegende Pläne - und einen ganz speziellen Traum: Einen Radreiseveranstalter zu erwerben, das wäre schon mal etwas für den Freizeitsportler.

Axel Höpner
Axel Höpner
Handelsblatt / Büroleiter München

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