Aus bei Rotschild
Hans-Hermann Lotter – der Aussteiger

Mit der Schlappe bei der Besetzung des Spitzenpostens hat es angeblich nur bedingt zu tun - dafür umso mehr mit der Branche an sich: Hans-Hermann Lotter verlässt die Investmentbank Rothschild. Und das unmittelbar nachdem ihm ein neuer Chef vor die Nase gesetzt wurde. Doch der 44-Jährige geht noch viel weiter, hängt seinen Job als Investmentbanker gleich mit an den Nagel.

FRANKFURT. Hans-Hermann Lotter will sich auf eigenen Wunsch - so die offizielle Formulierung - künftig um seine "unternehmerischen Interessen" kümmern. Die Investmentbank Rothschild verliert damit einen der profilierten Namen in der heimischen Fusionsberatung (M&A). Lotter galt insbesondere bei Landesbanken als gut verdrahtet, hatte aber auch die Allianz bei ihrer Übernahme der freien AGF-Anteile in Frankreich beraten.

Nach drei Jahren bei Rothschild, drei Jahren beim Konkurrenten Lazard und elf Jahren bei der Deutschen Bank hat der Finanzprofi offenbar genug vom Investment-Banking. Vertraute berichten, der Vater einer Tochter habe schlichtweg nicht mehr am Wochenende und im Urlaub permanent mit Blackberry und Handy bewaffnet an Deals arbeiten wollen. Als Managing Director von Rothschild dürfte das nötige Kleingeld für den Ausstieg zweifelsohne vorhanden sein. Eine neue Aufgabe im Übrigen auch: Lotter hat in den vergangenen Jahren gemeinsam mit Geschäftsfreunden Geld in mehrere Start-ups investiert - angeblich mit großem Erfolg.

Auch wenn der Banker stets zu den bescheideneren Vertretern einer ansonsten eher lauten Branche gehörte: Die Degradierung vom Co-Chef für Rothschild Deutschland zurück ins zweite Glied dürfte die Rückzugspläne zumindest beschleunigt haben. Die kommen genau drei Tage nach dem Amtsantritt von Ex-UBS-Banker Reitz als neuem Rotschild-Deutschlandchef. Wer hier partout keinen Zusammenhang sehen möchte, muss in der Tat an den ganz großen Zufall glauben.

Andererseits verweisen Insider darauf, dass es zwischen Reitz und den beiden im März abgesägten Deutschlandchefs Lotter und Dirk Pahlke von der Chemie her durchaus gestimmt habe. Dafür würde auch sprechen, dass Pahlke als Leiter des Fusionsberatungsgeschäfts (M&A) an Bord bleibt und sogar Mitglied des neu geschaffenen German Executive Committees (GEC) wird.

In dem vierköpfigen Führungsgremium werden zudem Walter Cammann als Finanzchef und Heinrich Kerstien als Co-Chef des Restrukturierungsteams vertreten sein. Beobachter werten die Neustrukturierung als Schachzug von Neuankömmling Reitz, um langjährige Führungskräfte von Rothschild einzubinden und sich damit eine Hausmacht zu schaffen.

Lotter dürften solche Fragen indes nicht mehr interessieren.

Hans G. Nagl
Hans G. Nagl
Handelsblatt / Senior Financial Correspondent
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