Aus dem Nichts schuf er einen der größten Softwarekonzerne der Welt
SAP-Gründer Hopp zieht sich zurück

Er sei bis heute einer von ihnen geblieben, sagen alte Klassenkameraden über Dietmar Hopp. Der Gründer des Software-Riesen SAP reist nicht gern, gilt als ruhig und bodenständig.

DÜSSELDORF. Im Gegensatz zum charismatischen Hasso Plattner blieb Hopp außerhalb seiner Heimatregion, dem Kraichgau, daher wenig bekannt. Zu Interviews musste ihn seine Pressestelle stets überreden.

Jetzt zieht sich einer der großen deutschen Unternehmerpersönlichkeiten ganz ins Privatleben zurück. Zur Hauptversammlung am 12. Mai scheidet der 64-Jährige aus dem SAP-Aufsichtsrat aus: „Man sollte sich lieber zu früh als zu spät aus verantwortungsvollen Positionen zurückziehen“, sagt Hopp. Seit zwei Jahren saß der ehemalige Vorstands- und Aufsichtsratschef ohnehin nur noch als einfaches Mitglied im SAP-Kontrollgremium. Nachfolger von Hopp soll Eon-Vorstand Erhard Schipporeit werden.

Mitarbeiter bedauern den Abschied des Unternehmers: „Für Hopp wollte man sich anstrengen, sich extra Mühe geben“, sagt Helga Classen, die die Arbeitnehmer im Aufsichtsrat vertritt. Er gilt als Patriarch im guten wie im weniger guten Sinne: immer um Fairness gegenüber den Mitarbeitern bemüht, aber manchmal eben auch eigenmächtig.

Wie die Gründer der Wirtschaftswunderzeit hat Hopp seinen Betrieb fast aus dem Nichts heraus etabliert. Statt der bequemen Karriere in einem Großkonzern machte sich der IBM-Systemberater mit vier Kollegen 1972 selbstständig. Die Firma mit dem etwas sperrigen Namen „Systeme, Anwendungen, Produkte“ spezialisierte sich auf betriebliche Standardsoftware und wuchs als SAP bis zur Notierung an der New Yorker Börse.

Das machte Hopp zum Milliardär. Mit seinem Vermögen sorgt er vor allem für das Wohlergehen der Hügelregion zwischen der Rheinebene, dem Odenwald und dem Schwarzwald: hier ein paar medizinische Geräte für die Früherkennung von Stoffwechselerkrankungen, dort eine Spende an den Walldorfer Fußballverein, um ihn vor der Insolvenz zu retten.

Sein Verhältnis zur Politik, vor allem zur SPD, war jedoch mitunter schwierig. Bei einer Bügermeisterwahl schaltete er eine ganzseitige Anzeige im Gemeindeblatt, um die Wahl des SPD-Kandidaten zu verhindern. Zuvor hatte die SPD die SAP kritisiert. Eine Vermögensteuer lehnt er kategorisch ab. Hopp will Gutes tun, aber er will es selber tun.

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