Ausblick auf 2005
Bilanzregeln bringen noch viel Arbeit

Zuerst die gute Nachricht: Geht es darum, die neuen internationalen Bilanzvorschriften IFRS umzusetzen, sind deutsche Firmen im europäischen Vergleich führend. Nun die schlechte: Für eine Entwarnung reicht das nicht. Auch hier zu Lande haben viele Unternehmen vor allem aus dem Mittelstand noch einiges in Richtung IFRS zu tun.

HB FRANKFURT. "Die meisten Unternehmen haben noch ein gutes Stück Arbeit vor sich, bis die Umstellung auf die neuen Standards vollständig abgeschlossen ist", sagt Jochen Pape, Mitglied des Vorstands der Prüfungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers (PwC). Kein Unternehmen könne es sich leisten, das Vertrauen zu verspielen, indem die erforderlichen Finanzdaten nicht rechtzeitig zur Verfügung gestellt würden.

Die EU schreibt vor, dass börsennotierte Unternehmen ab 2005 nach den "International Financial Reporting Standards" bilanzieren. In dem im Oktober verabschiedeten Bilanzrechtsreformgesetz wird auch nicht börsennotierten Firmen die Umstellung auf IFRS ermöglicht. Experten erwarten, dass trotz des fehlenden Zwangs auch Mittelständler sehr schnell mit IFRS konfrontiert werden. "Spätestens wenn der nächste Kredit benötigt wird, könnten viele Firmen eine böse Überraschung erleben. Die Banken werden nämlich mit IFRS vergleichbare Bilanzen verlangen", sagt Bernd R. Krieger, Vorstand des Softwarespezialisten Entire Software.

Nach einer aktuellen Analyse von PwC haben rund 35 Prozent der mittelgroßen börsennotierten Firmen in Europa mit einer Marktkapitalisierung von weniger als 500 Mill. Euro ihre Umstellung auf IFRS bereits abgeschlossen. Lediglich 15 Prozent der Firmen dieser Größe glauben noch daran, die notwendigen Ressourcen für eine rechtzeitige Umstellung bekommen zu können. Bei den größeren Firmen mit einem Börsenwert von über zehn Mrd. Euro haben bereits über 80 Prozent ihre IFRS-Projekte gestartet.

Mehr Transparenz für Anleger ist fraglich

Dabei wird es höchste Zeit. Wer 2005 nach den internationalen Regeln bilanzieren will, muss für die letzten zwölf Monate eine Vergleichsbilanz erstellen. Nach einer KPMG - Umfrage kommen 70 Prozent der großen und mittelgroßen Firmen mit Umsätzen über 250 Mill. Euro auf Umstellungskosten von unter fünf Mill. Euro - deutlich weniger, als viele Studien noch vor einiger Zeit glauben machen wollten.

Ob die Umstellung wie erhofft die Transparenz für Anleger und Investoren erhöhen wird, ist indessen fraglich. Immer mehr Bilanzexperten zweifeln daran. Karlheinz Küting von der Uni Saarbrücken etwa geht davon aus, dass die Firmen die Freiheiten und Gestaltungsspielräume der neuen Vorschriften ausnutzen werden.

Wie stark sich das künftige Regelwerk auf die Zahlen auswirkt, zeigt eine Analyse aller potenziellen deutschen "IFRS-Bilanzierer" durch den Lehrstuhl für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Unternehmensrechnung der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Danach wird das Anlagevermögen durch IFRS im Schnitt um 17 Prozent, das Umlaufvermögen um sechs Prozent und das Eigenkapital um durchschnittlich 20 Prozent steigen - obwohl sich die operative Basis nicht verändert.

Lesen Sie Ausblicke auf das Jahr 2005 in der großen Handelsblatt.com-Jahreschronik: >>> weiter...

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%