Ausgang offen
Ein Gespräch und seine Folgen

Echte Treffer sind selten im Mannesmann-Verfahren. Und doch wähnen sich Staatsanwaltschaft und Verteidiger im Vorteil - eine Halbzeitbilanz.

DÜSSELDORF. Manches Spiel ist entschieden, bevor der Schiedsrichter abpfeift. Mancher Prozess schon nach den ersten Zeugenaussagen. Dieser nicht: Am Mittwoch wird die Richterin Brigitte Koppenhöfer im Mannesmann-Verfahren den Halbzeitstand verkünden. Ein Blick auf Höhepunkte des Prozesses zeigt, wie die Zwischenbilanz ausfallen könnte. Und wie das spektakulärste Wirtschaftsverfahren Deutschlands weiter gehen könnte.

Prozesstag 10, 3. März:

Noch bevor der erste Zeuge an diesem Tag aufgerufen wird, meldet sich Staatsanwalt Dirk Negenborn zu Wort. Er werde zwei E-Mails verlesen, die der Angeklagte Klaus Esser im Frühjahr 2001 an Canning Fok geschickt habe - an den Mann also, der als Vorstand des Mannesmann - Großaktionärs Hutchison Whampoa ein Jahr zuvor zehn Millionen Pfund Prämie für Klaus Esser angeregt hatte.

"Lieber Canning", liest Negenborn vor, "das Handelsblatt wird in den nächsten Tagen eine richtige Darstellung dessen bringen, was sich im Zusammenhang mit der Anerkennungsprämie für mich zugetragen hat". Ein Redakteur der Zeitung werde in den folgenden Tagen bei ihm anrufen. Er wolle offenbar seine Aussagen überprüfen, schreibt Esser - und liefert die Antwortvorschläge gleich mit: "Natürlich gingen die Anerkennungsprämien von Ihnen aus, natürlich lag die Entscheidung beim Präsidium."

Sechs Tage vor der Leseeinlage hatte Fok per Video aus Hongkong das Hohe Lied auf Esser gesungen und dessen Version in allen Punkten bestätigt. Jetzt hat Negenborn den Wert dieser Aussage wirkungsvoll in Zweifel gezogen.

Ein klarer Punktgewinn für die Ankläger.

Prozesstag 15, 18. März:

Zwei Tage in Folge haben Juristen und Wirtschaftsprüfer der KPMG vor Gericht ausgesagt. Sie haben von schweren Bedenken gegen die Höhe der Prämien berichtet, von groben Verfahrensfehlern und von eindringlich formulierten Warnbriefen - Zeugen der Anklage, also.

Aber der letzte hat den Saal kaum verlassen, da erhebt sich Eberhard Kempf, jener hagere Rechtsanwalt mit der dünnen Stimme, der Josef Ackermann verteidigt. Kempf spricht langsam, meist in einem angenehmen Tonfall, er wirkt nie aggressiv, selbst wenn er Sätze formuliert, die inhaltlich voller Schärfe sind. "Die Bewertungen von KPMG sind zunächst mit einem deutlichen Decrescendo vorgetragen worden, am Ende aber waren sie überwunden, beseitigt und geklärt." Und weiter: "Die KPMG hat die Kritik letztlich ausschließlich in der sehr unauffälligen Form des Prüfberichts geäußert. Und Herr Ackermann habe davon "erst sehr spät" erfahren. Aus vermeintlichen Belastungszeugen sind Entlastungszeugen geworden. Ein klarer Punktgewinn für den Angeklagten Ackermann.

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