„Ausgebrannt“
Der deutsche Brasilianer

Er ist ein Globetrotter in Sachen Klimaschutz: Seit seinem Amtsantritt reist der Chef des Umweltprogramms der Uno unermüdlich um die Welt. Achim Steiner muss Allianzen bilden – und setzt seine Hoffnungen dabei vor allem auf die Entwicklungsländer.

SÃO PAULO. Brasilien im April 2007: Eineinhalb Stunden kommt Achim Steiner an diesem Mittag zu spät zum Empfang. Viel zu lange braucht der Kleinbus mit seiner Entourage im verstopften São Paulo von der Börse bis zum Salon. Es ist eine andere Elite, die hier auf ihn wartet, als eben noch in der Börse, wo Banker mit weißem Haar und erhabenen Gesten dem deutschen Chef des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (Uno) zuhörten. Jetzt wartet das Spitzenpersonal der brasilianischen Nicht-Regierungsorganisationen: Vertreter von Greenpeace, Friends of the Earth, Oxfam, aber auch Staudammgegner und Konsumentenschützer, Umweltsekretäre und einige Vertraute des Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva.

Doch sie alle sind Achim Steiner ebenso freundlich gesinnt wie die Banker-Elite. Die meisten kennen ihn persönlich, entweder aus der Zeit, als er von Kapstadt aus die Weltstaudamm-Kommission leitete, oder später, als er Chef der Weltnaturschutzunion war. Akzentfrei wechselt er mit jedem ein paar Worte auf Portugiesisch, klopft Schultern oder begrüßt Frauen mit Wangenküsschen wie in Brasilien üblich. Als Sohn eines deutschen Tropenlandwirts ist Steiner hier aufgewachsen, bis er zehn Jahre alt war. Für die Brasilianer ist er damit einer von ihnen, dem sie vertrauen, an der Spitze der Umweltbehörde im fernen Nairobi. „Bisher war die Regel, dass die Umweltdirektoren der Uno eher moderat begannen und als engagierte Umweltschützer aus ihrem Job schieden“, sagt der Greenpeace-Chef Brasiliens in einer kurzen Ansprache, „bei Achim müssen wir nicht so lange warten: Er ist schon zu Beginn seines Jobs ein Überzeugungstäter.“

Das ehrt den Mann, den sie hier „Akim“ nennen, und er hat Unterstützung nötig. Seit Monaten diskutiert die ganze Welt über das Klima, am 4. Mai, legt seine Organisation den dritten Teil des Weltklimaberichts vor. Und Südamerika ist für Steiner ein wichtiger Verbündeter.

Steiner ist Nachfolger von Klaus Töpfer, der, bevor er zur Uno wechselte, CDU-Umweltminister unter Kanzler Helmut Kohl war. Töpfer wurde 1998 bei seinem Jobantritt von den Nicht-Regierungsorganisationen misstrauisch beäugt, aber verließ nach acht Jahren mit einem guten Ruf als oberster Umweltschützer der Uno sein Amt. Kofi Annan, der damalige Uno-Generalsekretär, soll sich dafür eingesetzt haben, dass Steiner im Juni vergangenen Jahres Nachfolger von Töpfer wurde. Das brachte ihm viel Ärger ein, weil für derartige Jobs in den Vereinten Nationen eigentlich die ungeschriebene Regel gilt, dass ein Spitzenamt nicht zweimal an dieselbe Nation vergeben werden darf.

Es scheint, als habe Annan geahnt, was auf den Umweltchef der Uno zukommen würde. Denn er hat sich mit dem 46-jährigen Steiner einen jungen, belastbaren Generaldirektor geholt, der vor einer großen Aufgabe steht: Seitdem der frühere Weltbankchef Nicholas Stern Ende letzten Jahres vor den ökonomischen Folgen des Klimawandels warnte, sind es jetzt die Berichte des „Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen“ (IPCC) der Vereinten Nationen, welche zu einer überraschenden Renaissance der Umweltthemen in der politischen Diskussion geführt haben.

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