Ausländische Fonds unterstützen ihn bei Parmalat
Enrico Bondi will bleiben

Der Insolvenzverwalter des italienischen Skandalkonzerns Parmalat hat sich offiziell bereit erklärt zu bleiben. Damit kommt Enrico Bondi, der den Milchkoloss nach dem milliardenschweren Bilanzskandal vor knapp zwei Jahren wieder zurück an die Börse geführt hat, vor allem ausländischen Investmentfonds entgegen.

HB MAILAND. Die wollen Bondi den radikalen Sanierer als Vorstandsvorsitzenden im Konzern sehen. „Auf der Grundlage eines klaren und starken Mandats“ sei er bereit, „Parmalat in die nächste Phase seiner Entwicklung zu führen“, teilte Enrico Bondi mit.

Bondi hat sich vor allem als gnadenloser Kämpfer gegen die Banken einen Namen gemacht. Da er ihnen eine Mitschuld an dem Zusammenbruch des Lebensmittelunternehmens gibt, verlangt er mehr als 40 Milliarden Euro von Kreditinstituten und Wirtschaftsprüfern.

Für die Investoren ist der mögliche Verbleib Bondis eine gute Nachricht. Denn Beobachter gehen davon aus, dass ein anderer Chef, der das Unternehmen vielleicht einem Konkurrenten wie dem Frischmilch-Marktführer Granarolo andient, die Klagen gegen die Banken fallen lassen oder weniger hart verfolgen könnte. Bondi aber hat klargestellt, dass Parmalat sich auch „unabhängig entwickeln kann, um sein volles industrielles und finanzielles Potenzial“ auszuschöpfen.

Noch ist nicht gesagt, dass er tatsächlich zum Parmalat-Chef gekürt wird. Denn auch Banca Intesa und Capitalia, die gemeinsam knapp acht Prozent der Parmalat-Aktien halten, können einen eigenen Kandidaten ins Rennen schicken, wenn die Hauptversammlung am 7. November das neue Management wählen wird. Die Banken, die nach Angaben der Börsenaufsicht Consob insgesamt knapp ein Fünftel des Kapitals halten, dürften kaum an einer weiteren Amtszeit Bondis interessiert sein. Die Investoren dagegen setzen darauf, dass Bondi mit seinen Klagen möglichst viel Geld für Parmalat herausschlagen kann.

Einen neuen Job zu finden wäre für den 71-Jährigen kein Problem: Zuletzt wurde er als Sanierer für die angeschlagene italienische Fluggesellschaft Alitalia gehandelt.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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