Außeinandersetzung
Utz Claassen reicht Klage gegen Solar Millennium ein

Die Auseinandersetzung zwischen Utz Claassen und seinem früheren Arbeitgeber Solar Millennium nimmt immer bizarrere Züge an. Wie der einstige Vorstandschef des Solarkonzerns über seinen Anwalt mitteilen ließ, hat er beim Landgericht Nürnberg-Fürth Klage auf Zahlung von 7,1 Millionen Euro gegen Solar Millennium erhoben.
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DÜSSELDORF. Bei diesem Betrag handelt es sich um eine Zahlung, die Claassen zusätzlich zu den neun Millionen Euro verlangt, die er bereits erhalten hat, bestätigte sein Anwalt dem Handelsblatt. Allerdings wolle Claassen diese Summe nicht selbst vereinnahmen, sondern in eine Stiftung zur Erforschung erneuerbarer Energie geben.

Solar Millennium zeigte sich auf Anfrage vollkommen überrascht von dem Vorstoß Claassens. Das Unternehmen sei davon ausgegangen, dass die seit Monaten ausgehandelte und nun fertiggestellte Einigung am heutigen Freitag von beiden Seiten unterschrieben würde.

Der Streit zwischen Solar Millennium und Claassen war öffentlich geworden, als Claassen Mitte März nach nur 74 Tagen Amtszeit als Vorstandschef sein Amt niederlegte. Das Unternehmen forderte daraufhin die neun Millionen Euro zurück, die Solar Millennium dem Manager bei Antritt gezahlt hatte – in Erwartung, dass er fünf Jahre bleiben und den Wert des Unternehmens wie mit ihm besprochen erheblich steigern würde.

Aus dem Umfeld von Claassen verlautet hingegen, dass eine entsprechende Froderung von Solar Millennium nie bei ihm eingegangen sei. Auch in anderen wichtigen Fragen weicht die Darstellung der Firma erhblich von der Darstellung ihres ehemaligen Vorstandsvorsitzenden ab. So sagt die Firma, es habe nach langem Rimngen einen Kompromissvorschlag gegeben, wonach Claassen drei Millionen Euro hätte behalten dürfen.

Dieser Darstellung wird aus dem Umfeld von Claassen vehement widersprochen. Es habe keine Einigung gegeben. Den Kompromissgesprächen sei von Seiten der Firma die Grundlage entzogen worden. Das Unternehmen wiederum sieht die Kompromissgespräche durch Claassens neuerliche Klage bedroht. Sollte er tatsächlich Nachforderungen stellen, werde das Unternehmen umgehend selbst Klage einreichen und die Rückzahlung der gewährten Antrittsprämien in voller Höhe verlangen.

Eine Gerichtsauseinandersetzung wird sich damit wohl kaum noch vermeiden lassen. Die entsprechenden Klageanträge werden im Rahmen eines mehr als 600 Seiten umfassenden Schriftsatzes mit mehr als 200 Anlagen vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth eingereicht, teilten die Anwälte von Claassen mit. In Nürnberg-Fürth ist bereits die von Claassen erhobene Feststellungsklage gegen Solar Millennium anhängig und soll dort im Dezember verhandelt werden. In einer Presseerklärung äußert sich Claassen zu dem anstehenden Verfahren: "Über Geld hätte man sich mit mir jederzeit einigen können, aber die Wahrheit lässt sich nicht teilen oder halbieren."

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche

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  • Vor EnbW hat der gute Herr auch SARTORiUS AG fast eigenhändig runter geritten und dann rechtseitig seine Schäfchen oder soll Mann sagen Scheinchen bei EnbW gerettet und dort noch mehr Rubeln unter den Nagel gerissen. Ein blender der ein Leben lang gut verstanden hat seine Arbeitgeber zu leimen. Man kann das nur verstehen, wenn man kalkuliert, dass die Aufsichtsräte ein 'Kickback' der Millionen bekommen, die der gute Herr Klaasen bis jetzt in seinem Leben bei jede Firma kassiert hat, wo er gewesen ist. Sonst ist das nicht zu begreifen.

  • Was will der Mann ? Das ist doch ein blender, einer der sich jetzt auch noch beweisen möchte das er recht gehandelt hat.

    Oder glaubt einer der Leser das ein Mensch mit diesen Vorstellungen ´echte´ Arbeit leiten kann ?

  • Kennt man von der Grundschule:
    7,1 Mio - 9,0 Mio, na? wie gehts weiter?
    10,9 Mio - 12,8 Mio - 14,7 Mio ...
    Schade, daß der Name der Anwaltskanzlei nicht erwähnt wird: 600 Seiten plus 200 zusätzlicher Anlagen. Da kommt ja was zusammen. Ob am Schluß noch was für den Kläger übrig bleibt?
    Die bRAGO läßt grüßen!

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