Australien
Ohne eine Runde Bier läuft nichts

Wer mit Australiern Geschäfte machen will, muss die Hierarchien in den Unternehmen kennen - und trinkfest sein: „Down under“ ist das Feierabendbier ein Muss. Doch der kollektive Gang ins Pub hat seine Tücken, die man besser vorher wissen sollte.

SYDNEY. „Gemeinsames Biertrinken wird von Ausländern, die zum Geschäftemachen nach Australien kommen, ganz einfach erwartet“, stellt Volker Latus, Führungskräftecoach und interkultureller Trainer in Sydney, klar. Doch selbst bei solch scheinbar simplen gesellschaftlichen Anlässen kann der Uneingeweihte in Australien schnell in einen Fettnapf treten. Wichtig: Wer mit seinen australischen Geschäftspartnern nach einem langen Arbeitstag ins Pub geht, muss an der Theke immer eine Runde Bier für alle in der Gruppe holen – keinesfalls nur ein Glas für sich selber. Jeder ist im Verlauf eines Abends mindestens einmal dran, einen „Shout“ zu spendieren. Wer sich davor drückt oder sich womöglich vorher ins Hotel zurückzieht, kann ebenso gut gleich nach Hause fliegen.

„Als kleiner Familienbetrieb sind wir ziemlich blauäugig in die Unternehmung Australien gegangen“, erzählt Sven Schoenberg von der HZD GmbH aus dem brandenburgischen Premnitz, der in Australien einen Markt für Druckgussprodukte sucht. Damit steht er nicht alleine. „Sie glauben gar nicht, wie viele Deutsche hier eintreffen, die noch nicht einmal eine englische Übersetzung ihrer Unternehmensbroschüre – eigentlich doch ihr wichtigstes Marketinginstrument – in der Tasche haben“, berichtet Anja Kegel, zuständig für Geschäftsentwicklung und Marketing bei der Deutsch-Australischen Industrie- und Handelskammer in Sydney, über ihre tagtäglichen Erfahrungen mit Neuankömmlingen aus der Heimat.

„Superqualität aus Deutschland reicht schon lange nicht mehr aus, um einen potenziellen Käufer zu beeindrucken“, warnt Kegel. Die Konkurrenz im benachbarten Asien ist groß. „Erfolgreich Geschäftemachen kann in Australien nur, wer die subtilen kulturellen Unterschiede kennt.“

Das fängt schon beim Umgang mit den Behörden an, der für den Neuankömmling oft verwirrend sein kann. Denn Australier lieben Formulare. Doch beim Ausfüllen nehmen sie es lockerer. So kann es durchaus vorkommen, dass der Beamte rät, „einfach etwas einzusetzen“, wenn einem das Richtige nicht einfällt. Hauptsache, das Feld bleibt nicht leer. Denn das würde dem Mann hinter dem Schalter Ärger einbringen.

Australier pflegen nach außen einen eher lockeren Umgangsstil. Wer auf seinen gesellschaftlichen Status pocht, bringt es Down under nicht weit. „Seien Sie nicht erstaunt, wenn man Sie nicht mit Ihrem Doktortitel anspricht“, meint Australienexpertin Anja Kegel. Nach einer eher formellen Vorstellung zu Beginn eines Treffens spricht man sich fast immer mit Vornamen an.

Seite 1:

Ohne eine Runde Bier läuft nichts

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%