Australische Rohstoffkönigin
Keiner mag die reichste Frau der Welt

Gina Rinehart ist besessen von der Idee, alles und jeden kontrollieren zu können. Die australische Milliardärin hasst mit Leidenschaft alles, was ihrem Geschäft der Kohle- und Eisenerzproduktion im Wege stehen könnte.
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SydneyEs ist schwierig, Gina Rinehart zu mögen. Sogar drei ihrer Kinder können sie nicht ausstehen. Seit Jahren kämpfen sie mit der seit jüngstem reichsten Frau der Welt um die Kontrolle über einen Familien-Treuhandfonds, in dessen Genuss sie gemäß Rineharts verstorbenem Vater Lang Hancock hätten kommen sollen. Der juristische Disput ist eine der wenigen Gelegenheiten, bei denen die Öffentlichkeit etwas über Rinehart erfährt. Sie kontrolliert die Gerichte nicht. Noch nicht.

Rinehart ist besessen von der Idee, alles und jeden kontrollieren zu können. Letzte Woche hat sie für ein paar hundert Millionen Dollar ihren Anteil am Medienunternehmen Fairfax von 13 auf 18,67 Prozent erhöht. Ein paar Dollar mehr, und sie muss offiziell eine Übernahme lancieren.

Der Grund für ihr Interesse an Fairfax: der Herausgeber von Qualitätszeitungen wie „Sydney Morning Herald“, „Australian Financial Review“ und „The Age“ sei ihr zu „links“, wie ein Beobachter zu berichten weiß. Kritiker sehen die letzte Bastion des Qualitätsjournalismus in Gefahr in einem Land, in dem die rechtskonservativen Gossenblätter des Murdoch-Konzerns News Corporation schon 80 Prozent des Zeitungsmarktes ausmachen.

Gina Rinehart hasst mit Leidenschaft alles, was ihrem Geschäft der Kohle- und Eisenerzproduktion im Wege stehen könnte. Dazu gehören nicht nur unabhängige Medien und Journalisten – Interviews gibt sie nicht - sondern auch Gesetze und Regulierungen. Als erklärte Klimaskeptikerin kämpft sie vehement und mit hohem finanziellen Einsatz gegen alle Maßnahmen zur Eindämmung von CO2-Emissionen.

2010 war sie laut Kommentatoren gemeinsam mit anderen Bergbauunternehmern an einer Schmierkampagne gegen den damaligen Premierminister Kevin Rudd beteiligt. Der hatte sich erdreistet, die historisch hohen Gewinne der Rohstoffindustrie leicht höher besteuern zu wollen. Die Laborpartei gab dem Druck nach, setzte Rudd ab und machte Julia Gillard zur Regierungschefin.

Gina Rinehart, 1954 als Tochter von Lang Hancock geboren, des Entdeckers der gigantischen Eisenerzvorkommen im Nordosten von Westaustralien, hätte sich eigentlich ein ruhiges Leben leisten können. Papa hatte vorgesorgt: mit dem Verkauf von Eisenerz-Lizenzgebühren an Hamersley Iron (heute Rio Tinto) garantierte er der Familie einen steten Geldfluss. Gut 70 Millionen Euro, gemessen am heutigen Preis für Eisenerz, laufen pro Jahr automatisch in die Kasse. Doch Rinehart hatte nach dem Tod ihres abgöttisch verehrten Vaters 1992 anderes vor.

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  • Jemand, der Leistung, Geld und Macht so fetischisiert wie diese unsympathische Dame mit dem Speckpanzer, ist vielleicht doch nur bedürftig und irgendwie einsam. Es gibt einen Artikel in der Zeit, der auch das "psychische Drama" etwas beleuchtet.

  • Was interessiert uns das? Kann man irgendwas essen, was diese Frau produziert? Legendär ist eher der Ekel den ich empfinde, wenn ich diese Frau sehe.

  • Ich sehe diese Frau, trotz des etwas tendenziell geschriebenen Artikels, als eine sehr
    positive Erscheinung menschlichen Daseins an.
    Sicher wirkt sie auf den (veröffentlichten) Bildern eher wie eine Tochter Quasimodos,
    aber von ihren inneren Werten her muss sie einfach Weltklasse sein.
    Schliesslich hat sie, wenn auch mit recht guter Ausgangsbasis, etwas geschaffen &
    erreicht, was den meisten (...) wohl in mehr als nur
    einem Leben verwehrt bleiben wird.
    .
    Ausserdem sehe ich es auch noch als sehr positiv, dass sie keinerlei Frauenquote
    benötigte, um an die Spitze zu kommen. - Hut ab!
    Politikerinnen scheinen wohl nicht ihr Ding zu sein. Bravo!

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

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