Austrian Airlines
Nichts für schwache Nerven

AUA-Vorstand Peter Malanik glaubt noch an die Übernahme durch die Lufthansa. Doch Brüssel hat große Bedenken: Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes verlangt von Lufthansa und Austrian, dass sie lukrative Strecken an Konkurrenten abgeben. Nun hofft Malanik auf Hilfe der Wiener Regierung.

WIEN. Gute Miene in schweren Zeiten zu machen fällt nicht jedem leicht. Besonders dann, wenn das eigene Unternehmen immer näher an die Insolvenz heranrutscht. Mangelnde Professionalität kann Peter Malanik allerdings niemand absprechen. Er bleibt ruhig und gelassen, wenn ihm ein Mikrofon vor das Gesicht gehalten wird. Und das passiert ihm im Moment extrem häufig. Seine Wortwahl ist in den vergangenen Tagen allerdings dramatischer geworden. Jetzt spricht er erstmals davon, dass "wir kämpfen".

Um seinen Job beneiden ihn im Moment wohl die wenigsten. Zusammen mit seinem deutschen Kollegen Andreas Bierwirth leitet Malanik als Vorstandschef die schwer angeschlagene Austrian Airlines (AUA). Vor ein paar Tagen sah noch alles danach aus, dass die seit bald einem Jahr geplante Übernahme durch die Lufthansa bis zum Ende dieses Monats über die Bühne gehen würde. Doch die EU-Kommission macht Deutschen und Österreichern einen Strich durch die Rechnung. Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes verlangt von Lufthansa und Austrian, dass sie lukrative Strecken wie zwischen Wien und Frankfurt an Konkurrenten abgeben. Andernfalls werde die EU die Übernahme nicht genehmigen.

Malanik versucht das Beste, was in einer solchen Situation möglich ist. Er versucht zu beruhigen, er versucht, glaubwürdig zu bleiben. Vielleicht hilft ihm dabei auch das diplomatische Geschick, das er in vergangenen Jahren erlernt hat. Der 47-jährige Österreicher war früher so etwas wie der AUA-Außenminister und viel auf internationaler Bühne unterwegs. Bei Österreichs Staats-Airline leitete er mehrere Jahre die Abteilung für internationale Beziehungen und vertrat die Alpenrepublik bei der IATA in Genf, der globalen Organisation der Fluggesellschaften.

Aber die hohe Schule der Diplomatie funktioniert in schweren Zeiten nicht gut, besonders in Bezug auf Glaubwürdigkeit. Es hilft nichts, dass Malanik immer wieder betont: "Ja, wir glauben an die Übernahme durch die Lufthansa." An den Finanzmärkten hat Malanik längst an Vertrauen verloren. Auch bei Österreichs großen Banken schwindet die Zuversicht, dass die Übernahme noch gelingen wird. Erste-Bank-Analyst Günther Artner rät den Aktionären, ihre Anteile sofort zu verkaufen. Die Folgen wiegen schwer: Am vergangenen Freitag stürzt das AUA-Papier an der Börse um 13 Prozent ab. Auch gestern hielt der Abwärtstrend an, wenn auch schwächer.

Ohne Lufthansa gehen Malanik und die AUA schweren Zeiten entgegen. Das Wiener Unternehmen schreibt tiefrote Zahlen, das Bündnis mit den Deutschen sollte die Österreicher aus der Krise holen. Vorbild ist die Übernahme der Swiss in der Schweiz: Dort hatte die Lufthansa den angeschlagenen Konkurrenten aus dem Nachbarland übernommen und in die Gewinnzone gebracht.

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