Auswahl der Geschworenen
Enrons Ex-Bossen wird der Prozess gemacht

Vier Jahre nach dem Zusammenbruch des US-Energiekonzerns Enron hat das Verfahren gegen die Ex-Chefs begonnen. "Ich kann ihnen versichern, dass dies einer der interessantesten und wichtigsten Fälle überhaupt wird", sagte Richter Sim Lake.

HB HOUSTON. Der Prozesses gegen den 63-jährigen Ken Lay und den 52-jährigen Jeffrey Skilling vor einem Bundesgericht im texanischen Houston wurde mit der Auswahl der Geschworenen eröffnet. "Die Parteien und das Gericht haben ihr Vertrauen in ihre Fähigkeit gesetzt, in diesem Fall zu einem gerechten und unparteiischen Urteil zu kommen", sagte der Richter nach der Auswahl zu den zwölf Geschworenen und vier Vertretern.

Lay und Skilling werden Betrug und Verschwörung in zusammen mehr als drei Dutzend Anklagepunkten vorgeworfen. Beide Angeklagten haben die Vorwürfe zurückgewiesen und Millionen in ihre eigene Verteidigung investiert. Ihnen drohen bei einer Verurteilung Haftstrafen von mehreren Jahrzehnten.

Die Konzernmanager sollen Scheingeschäfte getätigt haben, so dass in den Geschäftsbüchern ein höherer Konzerngewinn ausgewiesen wurde, als tatsächlich angefallen war. Das Energieunternehmen, das einst zu den zehn größten Konzernen der USA zählte und weltweit 20 000 Mitarbeiter beschäftigte, musste Insolvenz anmelden, nachdem seine Übernahme durch den Konkurrenten Dynegy Ende 2001 gescheitert war. Es war eine der größten Pleiten in der amerikanischen Wirtschaftsgeschichte, Tausende wurden arbeitslos, die Wall Street musste Milliardenverluste an Vermögenswerten verbuchen.

"Danke, es geht mir gut"

"Danke, es geht mir gut", sagte Lay auf die Fragen von zahlreichen Journalisten und Kameraleuten, die ihn auf seinem Weg in den Gerichtssaal umringten. Er wurde von seiner Frau Linda und seinem Anwalt begleitet. Am Vortag hatte Lay sich optimistisch gezeigt, den Prozess zu gewinnen. "Wir werden ein langes und hartes Verfahren haben, aber es wird gut für uns ausgehen", sagte Lay nach einem Kirchgang. Lay unterstützte den Wahlkampf von Präsident George W. Bush, der ihn "Kenny Boy" nannte.

Die Vorwürfe gegen Lay stammen alle aus der Zeit, als er kurz vor dem Bankrott des Unternehmens für nur wenige Monate auf den von Skilling bereits verlassenen Chefposten zurückkehrte. Laut Anklage versteckten leitende Enron-Mitarbeiter Milliardenverluste in anderen Firmen, um die Gewinne von Enron zu schönen und den Aktienkurs zu stützen.

Die Sonderermittler des US-Justizministeriums werden den Geschworenen des Bundesgerichts in Houston eine Reihe von geständigen Enron-Managern präsentieren, die für eine Haftverkürzung zur Aussage gegen ihre früheren Vorgesetzten bereit sind. Insgesamt haben 16 ehemalige Enron-Manager gestanden, Straftaten in dem Betrugsfall begangen zu haben. Das Verfahren gegen Lay und Skilling wird vermutlich vier Monate dauern.

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