Auszug am kommenden Freitag
Das neue Leben des Klaus Kleinfeld

Die Korruptionsaffäre hat den Siemens-Chef den Job gekostet. Einen erfolgreichen Manager wie Klaus Kleinfeld abzusägen, halten viele Vorstandschef hinter vorgehaltener Hand für ungerechtfertig. Jetzt sucht der 49-jährige Tempomacher eine neue Aufgabe.

MÜNCHEN. Am Freitag ist alles vorbei, dann wird leer geräumt. Viel hat Klaus Kleinfeld ohnehin nicht zu packen. Sein Büro ist äußerst sparsam möbliert, so dass sich umso mehr die Frage stellt, was die Staatsanwälte hier eigentlich zu suchen hatten, als sie am 15. November vergangenen Jahres im Zuge der Korruptionsaffäre in Mannschaftsstärke anrückten.

Abgehakt. Noch hängen die beiden großformatigen Fotografien von Axel Hütte an der Wand, die eine stürmische See zeigen, fast, als hätte der Mann mit dem bübisch-netten Gesicht geahnt, was da auf ihn zukommen würde in den nur zweieinhalb Jahren an der Spitze des Siemens-Konzerns.

Klaus Kleinfeld geht und macht Peter Löscher Platz. Die Affäre um schwarze Kassen, die das Unternehmen seit Monaten in Atem hält, hat Kleinfeld den Job gekostet. Egal, wo man ihn dieser Tage trifft, es ist kaum zu glauben, dass es das schon gewesen sein sollte. „Dass wir im ganzen Konzern eine wirkliche Leistungskultur geschaffen haben, darauf bin ich super stolz“, sagte er bei einem seiner letzten Auftritte. Für ihn selbst galt diese Kultur vom ersten bis zum letzten Siemens-Tag. Sein für normale Menschen atemraubendes Tempo hält er bis zum bitteren Ende durch. Vielleicht ist auch das ein Grund, warum Klaus Kleinfeld, der Siemens 21 Jahre diente, es zum Schluss so schwer hatte im Haus der langen Wege, dem Siemens-Kosmos, diesem für Außenstehende fast undurchdringlichen Dickicht aus Kompetenz und Hierarchie.

Wie es weitergeht? Kleinfeld schweigt dazu. In der Korruptionsaffäre liegt nichts gegen ihn vor. Schwer vorstellbar, dass dieser energiegeladene Mann sich auf einen Teilzeitjob an die Spitze eines Verwaltungsrates zurückzieht oder auf einen Honoratiorenposten in der Private-Equity-Branche wechselt.

Die 30 Monate an der Siemens-Spitze markieren den Höhepunkt einer für deutsche Verhältnisse hoch beschleunigten Karriere. Unglaublich, was da alles passiert ist, auch der Rückblick hat etwas Atemraubendes. Der plötzliche Aufstieg eines fast Unbekannten, sein Amtsantritt, dem die Weltreise zu den großen Kunden folgte, der Großaufschlag von Lissabon im Mai 2005, als er sein Zweijahresprogramm mit den gewagten Profitabilitätszielen verkündete, das er, ein Held in normalen Zeiten, punktgenau zum Ziel brachte.

Hartnäckig hält sich bis heute die Geschichte, diese Personalisierung von Konzernzielen sei der erste Bruch mit Heinrich von Pierer gewesen, seinem Vorgänger und mächtigen Aufsichtsratschef. In der Rückschau ist das wahrscheinlich egal, so vertrackt, wie diese Beziehung angelegt gewesen ist, hätte es immer einen ersten Knacks geben müssen.

Kleinfelds Tempo ist sein Ehrgeiz, der Babyboomer kommt aus kleinen Verhältnissen, schon in der Jugend muss er hart arbeiten. Vielleicht ist das der Grund für seine Ungeduld, die ihn manchmal aufbrausen lässt. Wenn er etwas hasst, dann „Gelaber“, da kann er böse werden.

Im Juni 2005 verkauft Siemens seine Handysparte an BenQ, daraus wird das, was Kleinfeld heute einen „Betriebsunfall“ nennt. Tatsächlich steht der junge Siemens-Chef damals unter enormem Druck, die darbende Telekommunikationssparte belastet das gesamte Unternehmen. Ein Drittel des Konzerns habe er in marodem Zustand übernommen, das hat er in den vergangenen Monaten häufiger erzählt.

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