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Der tiefe Fall des VW-Betriebsratschefs Klaus Volkert

Er zählte einst zu den mächtigsten Männern bei Europas größtem Autobauer VW. 15 Jahre stand Klaus Volkert als Konzernbetriebsratschef an der Spitze der Arbeitnehmer der Wolfsburger Automobilschmiede.

dpa BRAUNSCHWEIG. Er zählte einst zu den mächtigsten Männern bei Europas größtem Autobauer VW. 15 Jahre stand Klaus Volkert als Konzernbetriebsratschef an der Spitze der Arbeitnehmer der Wolfsburger Automobilschmiede.

In den Ermittlungen um den VW-Sumpf um Korruption, Lustreisen und Sexpartys auf Firmenkosten geriet aber auch der gelernte Schmied Volkert in den Blickpunkt der Fahnder.

Sein Rücktritt am 30. Juni 2005 war ein Paukenschlag für die Beschäftigten. Es folgten Ermittlungen, Untersuchungshaft und nun die Anklage gegen den Ex-Betriebsratschef. Der Vorwurf: Anstiftung zur Untreue. In den raren Interviews nach seinem Rücktritt hatte der 64-Jährige noch gesagt, er habe „Mist gebaut“. „Ich ärgere mich schwarz über mich.“

Während der laufenden Betriebsversammlung war Volkert damals überraschend als Vorsitzender des Gesamtbetriebsrates zurückgetreten. Zu der Zeit gab es erste Medienberichte über eine mögliche Verwicklung Volkerts in die VW-Affäre. Kurze Zeit später nahm die Braunschweiger Staatsanwaltschaft die Ermittlungen wegen Anstiftung zur Untreue auf.

Der ehemalige VW-Personalvorstand Peter Hartz räumte in seinem Prozess vor Gericht im Januar ein, Volkert begünstigt zu haben. Neben umstrittenen Bonuszahlungen soll der einstige „Männerfreund“ sich auf VW-Kosten mit Prostituierten getroffen haben und seine brasilianische Geliebte soll ohne Gegenleistung Gelder, Flüge, Hotelaufenthalte und Schmuck erhalten haben. Wegen Verdunklungsgefahr musste Volkert Ende vergangenen Jahres drei Wochen hinter Gitter in Untersuchungshaft.

Volkert wurde am 24. November 1942 in Braunschweig geboren. 1969 ging der gelernte Schmied als Mechaniker zu VW nach Wolfsburg. Es folgte eine klassische Gewerkschaftskarriere: Vom Vertrauensmann der IG Metall (1970) zum Betriebsrat (1978) und Mitglied des geschäftsführenden Betriebsausschusses (1986) bis an die Spitze des Gesamtbetriebsrates (1990). Diese Position bedeutete für Volkert automatisch auch einen Sitz im Aufsichtsrat.

An der Seite von Hartz war Volkert maßgeblich an Tarifabschlüssen und an der Entwicklung von bundesweit für Schlagzeilen sorgenden Beschäftigungs-Modellen beteiligt. So wurde 1993 bei VW die 4-Tage-Woche eingeführt und damit die Entlassung von bis zu 30 000 Mitarbeitern verhindert. Nur mit Volkerts Zustimmung konnte VW 2001 das Projekt „5 000 mal 5 000“ starten, mit dem außerhalb des Haustarifes neue Jobs in der Produktion des Mini-Vans Touran geschaffen wurden.

Während die einen sein Geschick als so genannter Co-Manager lobten, warfen ihm die anderen seit längerem eine zu große Nähe zum Vorstand vor. Für die Entwicklung der diversen Sozialkonzepte, an denen Volkert beteiligt war, verlieh die Uni Braunschweig ihm den Ehrendoktor-Titel. Ab wann Volkert nun auf der Anklagebank Platz nehmen muss, ist noch unklar.

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