Autobranche
Autoikone Bob Lutz tritt ab

Er ist eine lebende Legende der US-Autoindustrie: Bob Lutz. Er ist der einzige Manager, der bei General Motors, Ford und Chrysler auf Chefsesseln saß. Seine letzte Aufgabe war seine größte: Die Rettung von General Motors. Als Entwicklungschef setzte Lutz am Ende alles auf die grüne Karte. Nun tritt der große Häuptling ab.

fbr/hof DETROIT. Das Elektroauto Chevrolet Volt ist die große Hoffnung von General Motors, der Joker, der den ums Überleben kämpfenden US-Autobauer wieder "back on track" bringen soll. Der Volt ist sein Baby, er hat ihn gepusht, nach Vorne getrieben: Bob Lutz. Doch ob der Volt auch wirklich sticht, am Markt Erfolg hat, wird Lutz wohl nur noch aus zweiter Reihe erfahren. Denn Bob Lutz tritt ab, geht in den Ruhestand, wie General Motors heute in einer Erklärung mitteilte.

Von 1. April dieses Jahr an ist Lutz nicht mehr der oberste Verantwortliche für die Produktentwicklung beim einst größten Autohersteller der Welt. Der 76-Jährige soll dann als Berater dem angeschlagenen Konzern weiter zur Seite stehen. Sein Nachfolger wir der 60 Jahre alte Thomas Stephens. "Bob Lutz", so GM-Chef Rick Wagoner, "war schon eine Automobillegende bevor er 2001 wieder bei GM eintrat."

Der gebürtige Schweizer, der 1932 in Zürich als Sohn eines Bankiers auf die Welt kam und früh mit seiner Familie in die USA auswanderte, ist tatsächlich eine lebende Ikone der US-Autoindustrie. Er ist der einzige Manager, der bei allen drei Großen der Branche im Vorstand saß. Bei Chrysler war er von 1986 bis 1998, wo er als Präsident und operativer Chef arbeitete. Er stand schon mal an der Spitze von Opel und Ford Europa. Und selbst beim Münchener Autobauer BMW saß er in der Ära Eberhard von Kuenheim im Vorstand. Eine lange Karriere. Doch auf Fragen nach seinem Ausscheiden findet der sportliche, absolute Autonarr immer neue Antworten. Sein Vater sei noch mit 90 Jahren jeden Tag ins Büro gegangen, "ich muss so lange arbeiten wie meine Frau gerne einkauft", oder das Neueste: "Ich kann nicht aufhören, solange der Treibstoffpreis so hoch ist."

2001 war Lutzals der große Hoffnungsträger von GM an Bord geholt worden - nur um dann miterleben zu müssen, wie ihm Jahr für Jahr das Glück zu verlassen schien. Trotz neuer Modelle, die Lutz aufs Gleis setzte, wuchsen die Schuldenberge bei GM - und Lutz verlor die Verantwortung für das US-Geschäft.

Trotzdem, dass der Druck auf ihn wuchs, wollte Lutz nichts von Ruhestand wissen - er spielte weiter Golf oder stieg in einen seiner Kampfjets und düste ab in die Wolken. Rentenalter? Keine Spur davon bei Lutz - der gleichwohl mit seinen Ansichten teils auf heftigen Widerstand stieß.

Die immer schärferen US-Emissionsrichtlinien kommentierte er etwa damit, dass einige Staaten verlangen würden, "Autos zu mobilen Luftreinigungsmaschinen umzubauen". Auch im eigenen Hause bekamen manche Manager zuweilen Schaum vor dem Mund, wenn sie die Äußerungen des 73-Jährigen in der Zeitung lasen. So düpierte er die europäischen Verantwortlichen mitten in der Phase der Opel-Restrukturierung öffentlich mit der Bemerkung, dass das Design des damals neuen Vectra den Kunden nicht gerade das Portemonnaie aus der Tasche ziehe. In Rüsselsheim kochten einige vor Wut.

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