Autobranche
Detlev von Platen – Porsches Statthalter in den USA

Das USA-Geschäft ist für Porsche der wichtigste auf der Welt, sogar noch bedeutender als Dortschland. Detlev von Platen ist seit einem Dreivierteljahr Chef von Porsche Nordamerika. Und trotz der jüngsten Absatzkrise hat er bei seiner Arbeit richtig viel Freude.

KATJA RIDDERBUSCH | ATLANTA

Detlev von Platen ist eine Rarität in diesen Tagen. Ein Automobilmanager in Amerika, der lacht. "Die Arbeit macht Spaß", sagt er, beugt sich vor auf seinem Stuhl in der karmesinroten Lounge hinter der großen Ausstellungshalle in Los Angeles und wiederholt den Satz, so als sei er selbst ein bisschen erstaunt: "Wirklich, es macht Spaß." Detlev von Platen ist seit acht Monaten Präsident und CEO für Porsche Nordamerika - und verantwortet damit den größten und wichtigsten Markt für den Stuttgarter Sportwagenbauer. Acht Monate, in denen sich die Krise der US- Autoindustrie und das Chaos auf den Finanzmärkten rasant potenziert haben.

Obwohl Porsche ein Luxussegment bedient, bekommt das Unternehmen die Einbrüche zu spüren. Gerade legte Porsche die Bilanzen für das Geschäftsjahr 2008 vor. Nach vier Rekordjahren in Folge musste das Nordamerika-Geschäft erstmals Umsatzeinbußen hinnehmen. Bis Ende Oktober verkaufte Porsche in den USA 22 503 Autos, 23 Prozent weniger als im Vorjahr. "Wir sind nicht immun gegen die Krise ", sagt von Platen am Rande der Auto-Show in Los Angeles.

Ein schwerer Start für den gerade mal 44 Jahre alten Nordamerika-Chef. "Ich hätte mir wohl keinen schlimmeren Zeitpunkt aussuchen können", sagt er. "Aber das ist jetzt eben mein Job." Und eine echte Herausforderung für einen Manager wie von Platen, einen Manager von globalem Zuschnitt. Detlev von Platen ist ein jungenhafter Typ mit kantigem Gesicht. Er hat einen deutschen und einen französischen Pass, einen deutschen Namen und einen kleinen französischen Akzent. Er hat deutsche Eltern - seine Familie stammt in direkter Linie von dem Dichter August von Platen ab - wurde jedoch in Frankreich geboren, wuchs in Orléans nahe Paris auf, studierte Volks- und Betriebswirtschaft in Poitiers, an einer der "Grandes Ecoles", aus denen die französische Politik, Wirtschaft und Verwaltung ihren Spitzennachwuchs rekrutiert.

Doch Detlev von Platen zog es zu-nächst nach Deutschland, er arbeite-te für BMW in München, betreute die Motorradsparte in Südostasien. 1996 kam die Anfrage von Porsche, die neue Vertriebsgesellschaft in Frankreich aufzubauen. Er ging zurück nach Paris und bewies dort, dass er kreativ ist und effizient zugleich, sehr französisch und sehr deutsch eben. Mit 400 verkauften Autos im Jahr fing er an. Als er ging, verkaufte Porsche gut 2900 Fahrzeuge.

Doch Selbstzufriedenheit ist von Platens Sache nicht. Er weiß um die Dimensionen des US-Marktes. "Ich muss hier lernen, alles mit zehn zu multiplizieren, mindestens", sagt er. In Nordamerika macht Porsche knapp 40 Prozent seines weltweiten Umsatzes. Der Kulturschock, den ihm einige Kollegen prophezeiten, als er von Paris von Atlanta umzog, blieb aus, beruflich wie privat. Das Rauchen hatte er sich schon in Paris abgewöhnt. Und er freut sich, dass es in Atlanta so viele Privatflughäfen gibt. Von Platen ist Freizeitpilot, fliegt einmotorige Sportflugzeuge. Seine deutsche Frau und zwei seiner vier Kinder, die mit ihm über den Atlantik gekommen sind, fühlen sich wohl im amerikanischen Süden.

Von Platen ist ein Mittler zwischen verschiedenen Unternehmenskulturen. Und so gewöhnte er sich schnell daran, dass in Corporate America die Hierarchien steiler sind als in Europa, dass seine 250 Mitarbeiter am Hauptsitz in Atlanta und mehr als 200 Händler in den gesamten USA von ihrem Chef Vision und Begeisterung erwarten. In den vergangenen Monaten reiste er durch das Land, besuchte Händler und Vertriebspartner und schwor sie darauf ein, "dass jeder einzelne Kunde wichtig ist". Das bedeutet: mehr Testfahrten, mehr Veranstaltungen, Marketing an der Basis eben.

Als routinierter interkultureller Kommunikator vermittelt von Platen einen amerikanischen Optimismus mit europäischer Einfärbung: lässig, unaufgeregt und realistisch. Wie lange die Krise dauern werde? "Kann ich nicht sagen. Aber ich bin überzeugt, dass die Amerikaner wieder Autos kaufen werden. Und dass sie wieder Porsche kaufen werden."

So hofft er, dass sich der Sportwagenhersteller ohne allzu großen Schaden durch die Krise in den USA navigieren lässt. "Wir sind ein gesundes Unternehmen", betont von Platen. Mit welcher Strategie will Porsche auf die Krise reagieren? Der Autobauer setze auf schlanke Strukturen und viel Flexibilität, sagt er. "Wir beobachten den Markt und passen unsere Produktion der Nachfrage an, nach unten oder nach oben." Derzeit wohl eher nach unten.

Tatsächlich stehe von Platen vor einem Dilemma, sagt Daniel Schwarz, Automobilanalyst der Commerzbank AG in Frankfurt. "Auf der einen Seite sind die USA der wichtigste Absatzmarkt für Porsche, auf der anderen Seite produziert Porsche nicht in den USA und hat deshalb eine geringe Wertschöpfung in Dollar." Porsche will in den USA künftig stärker auf umweltfreundliche und kraftstoffsparende Technologien setzen - bei Sportwagen ebenso wie beim Edel-SUV Cayenne und bei dem viertürigen Sportcoupé Panamera, das 2009 eingeführt werden soll. Bis 2010 sollen auch Hybridversionen dieser beiden Modelle auf den Markt kommen. Das sei der richtige Weg, sagt Schwarz, aber keine besonders kreative Strategie. "Es ist die Notwendigkeit, die der Markt diktiert."

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