Autobranche
VW tauscht Spitze bei Nutzfahrzeugsparte aus

Stephan Schaller muss gehen. Der VW-Konzern hat den Chef der Nutzfahrzeugsparte abgesetzt. Nun schiebt VW-Boss Martin Winterkorn einen engen Vertrauten in die erste Reihe. Bewährt sich der neue Vorstandssprecher, könnten bald schon höhere Weihen auf ihn warten.
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DÜSSELDORF/MÜNCHEN. Die Nachricht überraschte nicht wirklich: Stephan Schaller, der selbstbewusste Chef der VW-Nutzfahrzeugsparte verlässt das Unternehmen. Seit Wochen verdichteten sich die Gerüchte über die Demission des Topmanagers. Die VW-Granden aus Aufsichtsrat und Vorstand in der Konzernzentrale Wolfsburg waren zunehmend ungeduldiger geworden mit ihrem Statthalter in Hannover. Sie vermissten Ideen für neue Modelle und eine Strategie für die wichtigen Schwellenländer.

Als Schaller dann Mitte Dezember ausgerechnet auf der Bühne der Konzerntagung in Dresden in die Offensive ging, um die starke Pkw-Schwester des Konzerns um Hilfe zu bitten, kam das der strategischen Bankrotterklärung eines Managers gleich. Wohlgelitten war der ehemalige BMW-Manager Schaller, der von dem in Wolfsburg in Ungnade gefallenen Ex-VW-Chef Bernd Pischetsrieder ins VW-Reich geholt worden war, in der Zentrale nicht. Die Nähe zu Pischetsrieder klebte wie ein Makel an ihm. Mit Martin Winterkorn, seit 2006 Chef in Wolfsburg, wurde Schaller nie warm.

Der mächtige VW-Boss schickt mit Wolfgang Schreiber nun einen echten Vertrauten nach Hannover. Schreiber war bislang Vorstand für Produktentwicklung bei VW und könnte die Position als Sprungbrett nutzen. Schließlich gilt es, noch ein Lieblingsprojekt des VW-Patriarchen Ferdinand Piëch umzusetzen. Piëch will unter Führung von Volkswagen einen der größten Lkw-Hersteller der Welt zusammenführen. Der Schlüssel dafür sind die VW-Beteiligungen an MAN und Scania. In beide Beteiligungen haben die Wolfsburger in den vergangenen Jahren Milliarden investiert, Synergien gibt es bis heute kaum.

Schon dem geschassten Schaller wurden Ambitionen nachgesagt, das entstehende Lkw-Konglomerat führen zu wollen - vergebens. Stattdessen musste er auf Anweisung aus Wolfsburg die VW-Lkw-Fertigung in Brasilien an den ebenfalls ambitionierten MAN-Chef Håkan Samuelsson verkaufen. Doch auch dem Schweden half das Geschäft nicht: Er musste auf Druck Piëchs im Dezember 2009 MAN verlassen.

Schreiber ist also gewarnt: Bevor er sich mit höheren Weihen beschäftigt, muss der 51-Jährige erst einmal eine Strategie für die Nutzfahrzeugsparte von VW entwickeln. Es fehlten neue Modelle jenseits der bekannten Baureihen "Caddy" und T5. Beide schlagen sich wacker in der Krise, trotzdem muss die Sparte Einbrüche um die 20 Prozent verkraften. Aber VW will Weltmarktführer Toyota überholen, und der macht vor allem mit billigen und robusten Pick-ups in Schwellenländern sein Geschäft. Während VW in diesem Segment 400 000 Fahrzeuge pro Jahr verkauft, kommen die Japaner auf fünfmal so viele. VW-Chef Winterkorn weiß: Der Weg an die Spitze im Weltmarkt führt über die Nutzfahrzeuge.

Mark C. Schneider
Mark C. Schneider
Handelsblatt / Redakteur

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