Autobranche
Wunderkind Bernhard ist zurück bei Daimler

Wolfgang Bernhard gilt als Wunderkind, als einer der erfolgreichsten Top-Manager der Autoindustrie. Er war Vorstandsmitglied bei Daimler und bei VW, Berater des Finanzinvestors Cerberus und des Zulieferers Magna. Jetzt ist er zurück. Ausgerechnet an Bord des Unternehmens, in dem er einst einen Machtkampf verloren hat: bei Daimler.

STUTTGART. Vor wenigen Monaten saß Wolfgang Bernhard noch mitten am Tag in einem Cafe in Wien und plauderte angeregt mit einer weiblichen Begleitung. Mußestunden, die für den ehemaligen Daimler-Manager und VW-Markenchef nun passe sein dürften. Der frühere Vertraute des heutigen Daimler-Chefs Dieter Zetsche kehrt überraschend zum Stuttgarter Daimler-Konzern zurück. Der Spitzenmanager, der 2004 vom damaligen Daimler-Chef Jürgen Schrempp vor die Tür gesetzt wurde, wird ab April die Leitung der Sparte Mercedes-Benz Vans übernehmen. Er tritt damit die Nachfolge von Wilfried Porth an, der nach der Hauptversammlung als Personalvorstand und Arbeitsdirektor in das Führungsgremium aufrückt. Einen entsprechenden Beschluss fasste der Daimler-Vorstand in seiner jüngsten Sitzung.

Bernhard gilt als enger Vertrauter von Daimler-Chef Dieter Zetsche, mit dem er jahrelang die früherere Daimler-US-Sparte Chrysler führte. Branchenkenner gehen davon aus, dass der ehrgeizige Allgäuer sich auf Dauer nicht mit der zweiten Reihe zu frieden geben wird. So wird Bernhard bereits als ein möglicher Kronprinz gehandelt. Widerstand von der Arbeitnehmerseite, die zu Bernhards Abgang bei Daimler beigetragen hatte, wird es bei nicht geben. "Ich gehe davon aus, dass er etwas dazu gelernt hat", sagte Daimler-Gesamtbetríebsratschef Erich Klemm dem Handelsblatt.

Die Rückkehr des einstigen Wunderkindes, das ursprünglich Chef der Mercedes-Sparte werden sollte, ist damit eine faustdicke Überraschung für die Branche. Zetsche holt damit vier Jahre nach seinem Ausscheiden in Stuttgart einen engen Weggefährten wieder zurück in die Leitungsgremien des Konzerns. In Stuttgart, wo er Nachfolger von Jürgen Hubbert als Mercedes-Chef werden sollte, flog er im Jahr 2004 nach einem Machtkampf mit dem damaligen Konzernchef Jürgen Schrempp aus dem Unternehmen, bevor er den Mercedes-Chefsessel überhaupt innehatte. In Wolfsburg, wo er anschließend VW-Markenchef wurde und schon als Nachfolger des damaligen VW-Vorstandschefs Bernd Pischetsrieder gehandelt wurde, räumte er Anfang 2007 das Feld, nachdem Pischetsrieders Nachfolger Martin Winterkorn ihn teilweise entmachtet hatte. Zuletzt hatte er als Berater für den Finanzinvestor Cerberus beim Kauf von Chrysler fungiert, aber auch diese Aufgabe wieder beendet.

Seitdem war es ruhig geworden um den einstigen Auto-Spitzenmanager, der privat inzwischen in Wien lebt. Nicht einmal bei den üblichen Spekulationen über Führungswechsel bei deutschen Autokonzernen fiel sein Name. Denn Bernhard schien das Kapitel Autoindustrie für sich abgeschlossen zu haben. Als er im Frühjahr 2007 bei Volkswagen abtrat, deutete er an, dass er sich einen Wechsel in eine andere Branche vorstellen könne. Doch davon ist jetzt nicht mehr die Rede. Statt dessen versucht er nun einen Neustart an alter Wirkungsstätte. Einfach wird dies allerdings nicht werden. Sowohl bei Daimler als auch bei VW hatte es der Manager mit seiner kompromisslosen Art geschafft, die Belegschaftsvertreter gegen sich aufzubringen.

Doch die automobile Kompetenz des gebürtigen Allgäuers, der sich als harter Sanierer einen Namen machte, ist in der Branche unumstritten. Der 48-Jährige galt lange als schillernder Star der Branche, der für höchste Positionen gehandelt wurde. So sind Experten sicher, dass Bernhard ein heißer Kandidat mindestens für einen Vorstandsposten, wenn nicht mehr, im Konzern ist. Doch dafür muss er im zweiten Anlauf vielleicht etwas diplomatischer mit den einflussreichen Belegschaftsvertretern umgehen. Ein "blindwütiges Aufräumen" ohne " Rücksicht auf Kultur und Führungstradition unseres Unternehmens", warf der mächtige Daimler-Konzernbetriebsratsvorsitzende Erich Klemm dem Manager nach seinem Karriereknick in Stuttgart vor.

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