Autoexperten
Die Seher von Autoland

Die Krise hat sie zu Medienstars gemacht.Sie heißen Dudenhöffer oder Diez, sind Professoren. Sie alle halten ihr Votum für objektiv. Aber sie leiten Institute, die von der Autoindustrie finanziert werden. Experte in der Automobilbranche zu sein und gleichzeitig seine Unabhängigkeit zu bewahren war noch nie so schwer wie heute.
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GEISLINGEN. Ingo Nommsen weiß, was sich gehört. "Jetzt ist Deutschlands Autoexperte Nummer eins, Professor Ferdinand Dudenhöffer, bei uns", sagt der TV-Moderator und lässt seine Stimme perlen. Anfang Februar bei "Voller Kanne" im ZDF. Der Angepriesene verzieht keine Miene.

Ein Mann von 57 Jahren, mit Schnäuzer und dichtem, gescheiteltem Haar. Wenn er spricht, schauen seine kleinen, dunklen Augen starr durch die Brille, sein unüberhörbarer Pfälzer Dialekt formt aus Opel meist ein "Obel". Ferdinand Dudenhöffer, Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen, ist gekommen, um über seine Rabatt-Studie zu berichten. Und er gibt auch gleich Tipps, wie man denn über Autorabatte verhandelt. "Wichtig ist", sagt der Professor, "dass man seriös auftritt."

Bochum, vor wenigen Wochen. Die Autobranche gibt sich ein Stelldichein beim "CAR-Symposium", Audi-Chef Rupert Stadler ist da, ebenso Europachef John Fleming von Ford. Leiter der Veranstaltung: Ferdinand Dudenhöffer. Der Professor, der einst bei Opel, Porsche und Peugeot arbeitete, steht neben seiner Lehrtätigkeit auch noch dem "Center Automotive Research" vor. CAR, ein an die Universität angeschlossenes Forschungsinstitut, finanziert sich unter anderem über Aufträge aus der Automobilindustrie.

Das ist Ferdinand Dudenhöffer auch. Chef einer Einrichtung, die für die Autobranche arbeitet.

Wäre Dudenhöffer ein Niemand, wäre diese Geschichte hier gleichwohl zu Ende. Doch Dudenhöffer ist nicht nur der meistzitierte Bewerter in Sachen Auto. Er ist auch der Bekannteste einer kleinen Gruppe von Experten, die zunehmend zwischen Wahrsagerei und Wissenschaft wandeln. Sie alle schauen in die Zukunft, sie alle halten sich für unabhängig, sie alle leiten Institute, die von der Automobilindustrie finanziert werden. Und sie alle gehen Kompromisse ein, wenn die Medien anfragen.

Ferdinand Dudenhöffer, ihr "Star", tut es mehr. Andere weniger.

Deutschland, im März 2009. Die Autobranche leidet weltweit unter der Wirtschaftskrise, allen voran GM und Opel. Heute besucht Kanzlerin Angela Merkel den Sitz des deutschen Herstellers in Rüsselsheim.

Im schwäbischen Geislingen schaut Willi Diez ein paar Wochen zuvor auf ein Werbeplakat des Autobauers, es stammt aus den 20er-Jahren, vermutet er. Auch Willi Diez trägt Schnäuzer, auch er spricht Dialekt, aber all das wirkt viel bedächtiger. Er sagt über Opel: "Es gibt wenig Themen, wo öffentlich so viel Unsinn geredet wird."

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