Autoindustrie
Daimlers schwäbischer Zukunftsforscher

Entwicklungsvorstand Thomas Weber gilt als Schlüsselfigur im Management des Autobauers. Denn im Schatten des langsamen Abschieds vom Verbrennungsmotor sind in Stuttgart wie selten zuvor die Fähigkeiten des promovierten Maschinenbau-Ingenieurs gefragt, der seit fast sechs Jahren an der Spitze der Daimler-Forscher und-Entwickler steht.

FRANKFURT. Der Stolz ist Thomas Weber anzumerken. Strahlend lehnt sich der Daimler-Entwicklungsvorstand im dunklen Anzug mit hellblauer Krawatte im Januar an die neue Mercedes-E-Klasse im feinen Hotel "Westin Book Cadillac" in der Innenstadt von Detroit, neben ihm Daimler-Boss Dieter Zetsche. Doch Webers heimlicher Star war schon wenige Minuten vorher auf die längliche Bühne des Hotelsaals gerollt, den Journalisten und Fachbesucher wie bei einer Modenschau zu beiden Seiten auf Stuhlreihen säumen: das B-Klasse-Konzept BlueZero F-Cell, eine Kleinserie, die 200 Kilometer allein im reinen Elektroantrieb fahren kann. "Mit diesem Konzeptauto zeigen wir, wie wir uns die Welt von morgen vorstellen", schwärmt der Manager. "Und dieses Morgen ist ganz nahe." 2010 wollen die Stuttgarter die ersten E-Mobile auf den Markt bringen, von der Brennstoffzelle soll bereits dieses Jahr eine Kleinserie an den Start gehen.

Der 54-jährige Schwabe aus Scharnhausen nahe bei Stuttgart ist längst eine der Schlüsselfiguren im neuen Daimler-Führungsgremium. Denn im Schatten des langsamen Abschieds vom Verbrennungsmotor sind in Stuttgart wie selten zuvor die Fähigkeiten des promovierten Maschinenbau-Ingenieurs gefragt, der seit fast sechs Jahren an der Spitze der Daimler-Forscher und-Entwickler steht. Auf dem Programm steht nichts weniger als "die zweite Erfindung des Automobils", wie es Zetsche griffig auf den Punkt bringt. Und Weber ist der Mann, der nun die Richtungsentscheidungen über die Antriebe der Zukunft fällen muss, mit denen der Konzern ins nächste Jahrzehnt gehen wird. Ein Zukunftspoker mit Milliardeneinsatz, der für eine umbruchartige Verschiebung der Wettbewerbsverhältnisse in der Branche sorgen könnte. Und die Gefahr, die Gewinne der Gegenwart auf ein falsches Pferd zu setzen, ist dabei nicht zu unterschätzen. Doch Weber genießt das ungeteilte Vertrauen des Managements. Auch das Arbeitnehmerlager von Daimler hält große Stücke auf den erfahrenen und umgänglichen Manager, der nach Stationen an der Universität Stuttgart und beim Fraunhofer-Institut seit mehr als 20 Jahren im Konzern arbeitet.

Nicht nur aus diesem Grund werden sich heute viele Blicke auf den schlanken Topmanager richten, wenn Zetsche im weiten Rund der Stuttgarter Carl-Benz-Arena die Zahlen für das Schlussquartal präsentiert. Der Schwabe spielt auch eine entscheidende Rolle bei den laufenden Kooperationsgesprächen mit dem Münchener Konkurrenten BMW. Kommt es doch auf die Expertise von Weber und seinem Konterpart von BMW, Entwicklungschef Klaus Draeger, an, dass der Markenkern beider Luxusmarken auch bei einer engeren Zusammenarbeit nicht beschädigt wird. Für beide Seiten ein Balanceakt, sind doch insbesondere bei den Ingenieuren die Vorbehalte gegen den neuen Schmusekurs immer noch groß. Doch der Manager, der in seiner Freizeit gerne Rad fährt, bleibt auch in dieser Herzensangelegenheit Kopfmensch: "Für uns gilt generell, dass wir dort, wo es Sinn macht, für Kooperationen offen sind", lautet sein schlichtes Credo.

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