Autokönig Piëch
Ferdinand II., Herrscher aller Autos

In genau sechs Wochen und zwei Tagen, am 17. April, hat Ferdinand Piëch Geburtstag. 71 wird der Autokönig dann, die graue Eminenz bei Volkswagen, der Denker und Lenker der Porsche-Eigentümerfamilien. Das größte Geschenk hat er sich selbst bereits jetzt gemacht. Nach einem Doppelschlag steht er vor dem größten Triumph seines Lebens: Er schafft wie einst Daimler eine automobile Welt AG.

DÜSSELDORF. Volkswagen kündigte am Montag an, den schwedischen Lastwagenhersteller Scania zu übernehmen. Und Porsche gab bekannt, seinen Anteil an Volkswagen auf mehr als 50 Prozent aufzustocken. Piëch schmiedet so ein Autoimperium bestehend aus VW und Porsche, Scania und MAN. Diese würde vom Sparauto über Edellimousinen und Sportflitzer bis hin zum Schwerlaster alles bieten, was einen Automobilisten begeistert.

Damit würde sich Piëch ein Denkmal setzen und mit seinem Großvater Ferdinand Porsche, dem Erfinder des Käfer und Gründers der Sportwagenmarke gleichziehen. Endlich.

Glaubt man den zahlreichen Psychogrammen, die es inzwischen über den ehemaligen Internatsschüler mit der Schreibschwäche gibt, ist genau dies das Wichtigste für diesen Mann.

Davon hat er schon lange geträumt und diesen Traum auch mit enormer Beharrlichkeit, seinem ungeheurem Machtinstinkt und der Taktik eines Schachspielers verfolgt - mit der Methode Piëch eben.

Prof. Dr.-Ing. Ferdinand Piëch hat wieder einmal seinen Willen durchgesetzt. Was Porsche und Volkswagen gestern ankündigten, sind Deals, wie sie Piëch liebt. Genau vor dem am Dienstag beginnenden Auto-Salon in Genf setzen die Unternehmen einen Paukenschlag. Fast alle Auto-Manager werden nun auf dem wichtigen Branchentreff am Genfer See über den Coup des bald 71-Jährigen reden müssen, der die Einigung seit Monaten ausgehandelt hatte. So mag es der raffinierte Taktiker, der Manager wie Marionetten bewegt und mit Weltkonzernen Monopoly spielt.

Piëch ist ein Beweis für die These, dass im Alter die wesentlichen Charakterzüge eines Menschen noch deutlicher hervortreten als zuvor. Schon in seiner Zeit als VW-Konzernchef beschwerten sich seine Mitarbeiter, dass der Mann an der Spitze des Unternehmens "psychopathische Züge" an den Tag lege. Und sie forderten den damaligen Aufsichtsratschef Klaus Liesen auf: "Machen Sie Herrn Piëch klar, dass ein Weltkonzern nicht wie ein Rittergut mit Leibeigenen zu führen ist!"

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