Autokrise
GM-Europachef Forsters schwierigste Mission

Branchenprimus General Motors droht in wenigen Wochen der Absturz – und das könnte die deutsche Tochter Opel mit in den Abgrund ziehen. Carl-Peter Forster steht vor seiner größten Aufgabe. Als GM-Europachef muss er die Interessen der Amerikaner vertreten –gleichzeitig will er Opel retten.

FRANKFURT. Sein großes Vorbild ist der Polarforscher Ernest Shackleton. Der Brite war 1914 auf einer Antarktis-Expedition im Packeis eingeschlossen, konnte aber allen Widrigkeiten zum Trotz sein Team wohlbehalten nach Hause bringen. Auch Carl-Peter Forster, Europapräsident des Opel-Mutterkonzerns General Motors (GM), braucht derzeit dringend diesen unerschütterlichen Willen und Glauben an ein gutes Ende.

Dabei auch Rückschläge einzustecken gehört dazu: So weigerte sich der US-Senat in der Nacht zum Donnerstag überraschend, die angeschlagene Autobranche kurzfristig mit 25 Mrd. Dollar zu stützen. Branchenprimus General Motors droht jetzt in wenigen Wochen der Absturz – und könnte seine deutsche Tochter Opel mit in den Abgrund ziehen. Die warb am Donnerstag in einer Anzeigenkampagne noch einmal für eine Milliardenbürgschaft aus Berlin. Eine Antwort wird es jedoch nicht vor Weihnachten geben. Forster, Sohn eines Diplomaten, muss noch viel Überzeugungsarbeit auf dem politischen Parkett leisten.

Einen wichtigen Schritt hatte der 54-jährige Topmanager Anfang der Woche gemacht, als er sich zu einem Krisentreffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin traf. „Wir fühlen uns diesem Traditionsunternehmen Opel, der Marke und den Mitarbeitern, die hervorragendes geleistet haben, verpflichtet“, sprach Forster mit fester Stimme in die Mikrofone. „Wir wollen das Überleben des Unternehmens unter allen Umständen sicherstellen.“

Der passionierte Segler weiß, dass er sich in schwerer See befindet. Forster ist aber ein Kämpfer, der bereits so manchen Sturm mit Opel überstanden hat. So drückt er bereits 2005 zusammen mit dem heutigen GM-Finanzchef Fritz Henderson auf Anordnung der Zentrale in Detroit eine harte Restrukturierung in Europa durch. Allein 9 000 Mitarbeiter müssen damals bei Opel gegen den harten Widerstand der Arbeitnehmerseite gehen. Wer so etwas durchzieht, kann Gegenwind vertragen. Die Opelaner wissen, dass kaum jemand das Unternehmen besser kennt als der frühere McKinsey-Berater – leitete Forster doch selbst von 2001 bis 2004 als dritter Deutscher die Traditionsmarke mit dem Blitz.

„Der Gang ins Kanzleramt war nicht einfach, da ich ja in der Tat zwei Hüte aufhaben muss“, sagt Forster dem Handelsblatt. „Als Präsident von General Motors in Europa muss ich die Interessen des Mutterkonzerns in der ganzen Region vertreten. Und als Aufsichtsratsvorsitzender der Adam Opel GmbH muss ich mich um Wohl und Wehe von Opel in Deutschland kümmern.“ Mit eiserner Disziplin versucht der Manager mit den freundlichen blauen Augen, auch in dünner Luft Höchstleistungen zu bringen. Selbst nach nur wenigen Stunden Schlaf im Flugzeug sitzt er morgens um 7 Uhr bereits wieder am Schreibtisch und sichtet Modellrechnungen, Budgetpläne und führt Gespräche mit Betriebsrat und Mitarbeitern. Die Tage in der Züricher GM-Europazentrale sind lang: Mit 14 bis 16 Arbeitsstunden gibt der Manager ein hohes Tempo vor. Das Privatleben bleibt dabei oft auf der Strecke. Jahrelang lebte er in einem Wiesbadener Nobel-Hotel, während er die Geschicke von Opel leitet. Seine Frau und die drei Kinder sieht er maximal am Wochenende in München, wo die Familie nach wie vor wohnt.

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