Automobilbranche
Streit um Peugeot-Chef Streiff

Die Kritik seitens der Mitarbeiter an seinem vermeintlich brutalen und beratungsresisten Führungsstil ist für Peugeot-Chef Christian Streiff mittlerweile nichts Neues mehr. Seit kurzem zweifeln nun aber auch die Mitglieder der Gründerfamilie des Autokokonzerns an den Fähigkeiten des Managers. Gleichzeitig muss Streiff mit dem französischen Staat um die Bedingungen der Finanzhilfe ringen.

PARIS. Christian Streiff, Chef des französischen Autokonzerns PSA Peugeot Citroën, steht offenbar unter doppeltem Druck: Intern wird er von Managern wegen seines Führungsstils kritisiert, das sie als brutal und beratungsresistent bezeichnen. Ferner sei die strategische Richtung unklar. Laut einem Bericht von „La Tribune“ würden nun selbst Mitglieder der Gründerfamilie Peugeot daran zweifeln, dass der 54-Jährige noch der Richtige an der Konzernspitze ist. Aufsichtsrat-Chef Thierry Peugeot stehe aber nach wie vor zu Streiff. Die Familie kontrolliert 44 Prozent der Stimmrechte bei Europas zweitgrößtem Autokonzern. Das Unternehmen wollte auf Anfrage keinen Kommentar abgeben.

Extern ringt Streiff derzeit mit dem französischen Staat um die Bedingungen, zu denen die Regierung dem Konzern mit Milliarden helfen möchte. Frankreich will seinen beiden Autokonzernen fünf bis sechs Milliarden Euro z.B. über Kreditgarantien zukommen lassen. Streiff lehnt es aber ab, im Tausch für die Finanzhilfen dem Staat zu garantieren, keine Werke in Frankreich zu schließen und keine weitere Produktion ins Ausland zu verlagern. Konkurrent Renault hat dagegen die Bedingungen des Staates akzeptiert und ihn mit 15 Prozent zum größten Einzelaktionär gemacht.

Die Autobranche steckt weltweit in einer Krise. Deshalb kommt die Debatte um die Konzernführung für Peugeot mehr als ungelegen. Die Aktie verlor am Donnerstag zeitweise sieben Prozent. Der Konzern legt kommenden Mittwoch seine Zahlen vor.

„Die Atmosphäre im Konzern ist schlecht“, sagt ein leitender Angestellter zum Handelsblatt. „Es werden Ziele verordnet, die vielen als unrealistisch erscheinen.“ Auf Missmut stößt ferner, dass Streiff sich mit Führungskräften umgibt, die keine Erfahrung in der Automobilbranche haben. Analysten verweisen dagegen darauf, dass Streiff bekanntermaßen viel verlange. Und da sei es logisch, dass die Truppe sich beschwere. Streiff hat dem Konzern einen Sparplan verpasst. Er will bis 2010 rund 15 000 stellen abbauen, die Entwicklungszeiten verkürzen und neue Nischenmodelle auf den Markt bringen. So stellte die Tochter Citroën am Donnerstag neue Modelle für die Marke „DS“ vor, mit der Citroën in den Premiumbereich vorstoßen will.

Streiff hatte bisher den Rückhalt der Familie, auch als er im vergangenen Sommer wegen Krankheit für Wochen ausfiel. Aber wie lange noch?

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