Automobilpionier Carl Benz
Erfolg durch die Frau am Steuer

Als Carl Benz im Jahre 1888 seinen dreirädrigen motorbetriebenen Wagen vorstellte waren die Reaktionen gespalten. Zwar erregte das Vehikel überall Aufsehen und wurde von der Presse gefeiert, doch die breite Öffentlichkeit lehnte das Vehikel ab. Erst seine Ehegattin, Bertha Benz, konnte das das schlechte Image des Gefährts mit einer spektakuläre Fernfahrt korrigieren.

DÜSSELDORF. Mannheim, 5. August 1888. An jenem Morgen schlief Carl Benz noch. Vielleicht konnte er so ein wenig Kraft schöpfen. Ihn drückten Sorgen. Das Gefährt, das er entwickelt hatte, ein dreirädriger motorbetriebener Wagen, erregte zwar überall Aufsehen und wurde in der Presse gefeiert, doch die breite Öffentlichkeit lehnte das Vehikel ab. Laut, stinkend und unzuverlässig sei es. Wer würde sich bereit finden, in die Produktion von so etwas zu investieren? Carl wusste zwar, er konnte sich immer auf die Unterstützung seiner Frau Bertha verlassen. Sie hatte ihm und seinen kühnen Ideen schon damals vor 16 Jahren geholfen, als sie von ihren Eltern die vorzeitige Herausgabe der Mitgift erzwang. Doch eine Mitgift gab es nur einmal.

Als Carl in den Morgenstunden jenes Sommertages noch schlief, war Bertha längst dabei, ohne Carls Wissen einen kühnen Plan in die Tat umzusetzen. Sie hatte die beiden Söhne Eugen und Richard geweckt, noch Schuljungen, aber es waren Sommerferien. Mutter und Söhne waren zur Werkstatt gegangen, hatten leise das Tor geöffnet und den Wagen heraus geschoben. Der Motor sprang an. Die wagemutige Reise der drei begann. Es sollte nach Pforzheim gehen, 106 Kilometer von Mannheim entfernt. Dort wohnte Berthas Mutter. Die Fahrt ging über grob gepflasterte Straßen in den Orten und über Land schaukelten sie über holprige Wege. Die Menschen, an denen Bertha Benz und ihre Söhne vorbeifuhren, waren erstaunt und erschrocken. Der befremdliche Lärm des Vierzylindermotors, der Gestank des Gefährts und dann der Anblick: Zwei Jungen und eine Frau.

Bei Wiesloch blieb die „Höllenmaschine“ stehen. Der Tank war leer. Bertha Benz kaufte beim örtlichen Apotheker drei Liter Benzin, die sonst als Reinigungsmittel abgab. Kurz vor Bruchsal riss die Antriebskette. Bertha Benz fand einen Schmied, der auch noch die Bremsklötze erneuerte. Die weitere Fahrt sah immer wieder kurze Stopps. Mal mussten Eugen und Richard Öl und Wasser nachfüllen, mal stocherte Bertha mit ihrer Hutnadel die Treibstoffleitung frei. Als Bertha, Eugen und Richard schließlich in Pforzheim ankamen, war die Nacht angebrochen. Von einem Gasthof telegrafierte Bertha nach Mannheim zu Carl: „…1. Fernfahrt ist gelungen – sind gut in Pforzheim angekommen.“

Bertha Benz' Fernfahrt sprach sich in Windeseile herum. Erstaunt erkannte man, dass Carl Benz' Gefährt so sicher und zuverlässig war, dass eine Frau und zwei Jungen damit ohne große Schwierigkeiten eine seinerzeit nicht geringe Wegstrecke bewältigen konnten.

Der endgültige Durchbruch gelang Carl Benz schließlich vier Jahre später, als er seinen ersten vierrädrigen Wagen vorstellte. Diesmal brauchten Berta und die Söhne nicht noch einmal zu einer Fahrt aufzubrechen, um der Welt die Qualität des Gefährts zu demonstrieren.

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