Autoreifen
Contis Goldjunge läuft sich warm

Nikolai Setzer wirkt extrem jung - gerade im Vergleich mit seinem Vorgänger als Autoreifenvorstand bei Continental, Alan Hippe. Doch der 38-jährige Manager hat sich die ersten Sporen bereits verdient. Mit Setzer hat die europäische Nummer eins bei Autoreifen einen ehrgeizigen neuen Chef - der noch mehr werden will.

HAMBURG. Der erste Eindruck täuscht. Bei der gerade beendeten Automobilmesse IAA empfing Continentals neuer Autoreifenvorstand Nikolai Setzer Gesprächspartner im wuseligen Café Rendezvous. Weil sein Arbeitgeber ihm keinen eigenen Messestand gegönnt hatte, musste der Manager mit dem nahe gelegenen Maritim Hotel vorliebnehmen. Die ruhige Tulip Lounge in Halle 5 war den Kollegen der Autozuliefersparte vorbehalten.

Eigentlich hätte es genau umgekehrt sein müssen: Während Contis Autosparten im ersten Halbjahr 440 Millionen Euro verbrannten, verdiente Setzers Divison mitten in der Krise 282 Millionen Euro. Doch Conti-Eigner Schaeffler hat den Autoteil zum Zukunftsgeschäft erkoren, Konzernchef Elmar Degenhart muss die Sparte in die Gewinnzone bringen. Vor allem bei der Motoren- und Getriebedivision Powertrain hakt es.

Auch der zweite Eindruck täuscht. Setzer, 38, wirke im Vergleich zum vier Jahre älteren Vorgänger Alan Hippe extrem jung, heißt es selbst in Kreisen des Conti-Aufsichtsrats. Dabei haben die Kontrolleure Setzer Mitte August das Vertrauen geschenkt, 26 000 Mitarbeiter weltweit zu führen. Jung wirkt der Manager schon, doch erste Sporen hat er sich längst verdient.

Unter Hippes Führung trug Setzer als Chef für das Geschäft mit Autoherstellern bis ins Jahr 2007 wesentlich dazu bei, das defizitäre US-Geschäft zu drehen. Hippes klare Ansprache und manchmal gnadenlos wirkende Professionalität hat er übernommen. Als er das US-Geschäft übernahm, versprach Setzer ihm, "alles zu geben". Hippes Antwort fiel kühl aus: "Das wird nicht reichen." Bei seinem Abschied im Frühjahr erheiterte die Anekdote beide. Zu Hippes Freude übernahm Setzer die Pkw-Reifen, zunächst kommissarisch. Seit August vertritt erstmals seit vielen Jahren wieder ein Reifenmann die Divison, die etwa Ex-Konzernchef Manfred Wennemer in Personalunion geleitet hat, im sechsköpfigen Vorstand.

Der Gegenwind ist rau. "Das Erstausrüster- wie das Ersatzgeschäft erleben die größte Krise, die wir jemals in der Reifenindustrie hatten", sagte Setzer dem Handelsblatt. Das Ersatzgeschäft sei in Contis größten Märkten Europa und Nordamerika im ersten Halbjahr um zehn bis 15 Prozent eingebrochen. "Noch düsterer sieht es beim Absatz von Neuwagen und entsprechend auch Reifen aus: Der Markt in Europa ist um rund ein Drittel geschrumpft, der US-Markt sogar um fast die Hälfte."

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