Autozulieferer vor Chefwechsel?
Knorr-Vorstand offenbar Wunschkandidat bei Schaeffler

Die Ablösung von Jürgen Geißinger als Chef beim Automobilzulieferer Schaeffler scheint beschlossene Sache zu sein. Die Schaefflers haben offenbar einen Manager der Konkurrenz an der Angel.
  • 8

HerzogenaurachBeim Automobilzulieferer Schaeffler wird ein Führungswechsel immer wahrscheinlicher. Der Wechsel an der Spitze der Herzogenauracher sei so gut wie perfekt, berichtet das „Manager Magazin“. Die beiden Gesellschafter Maria-Elisabeth und Georg Schaeffler hätten sich darauf verständigt, dass Klaus Deller den aktuellen Vorstandschef Jürgen Geißinger ablösen solle, schreibt das Magazin in seiner aktuellen Ausgabe.

Deller verantwortet bisher im Vorstand des Münchener Schaeffler-Konkurrenten Knorr-Bremse das Geschäft mit Nutzfahrzeugsystemen. Der Vertrag mit Deller sei zwar noch nicht unterschrieben, heißt es laut dem Magazin in Konzernkreisen. Es fehle noch die Zustimmung des Aufsichtsrats, doch seien sich die Alleineigentümer Maria-Elisabeth und Georg Schaeffler bereits mit Deller einig.

In einem Brief an die Mitarbeiter, der Reuters vorlag, schrieben die Schaefflers, diese Spekulationen seien schädlich. „Wir werden uns daran nicht beteiligen.“ Gerüchte über eine mögliche Übernahme durch die eigene Tochter Conti wiesen sie indes als Hirngespinst zurück. Gespräche über derartige Themen seien „aus gutem Grund streng vertraulich“ und erforderten Sorgfalt und Ehrlichkeit. „Das Interesse unseres Unternehmens und seiner Mitarbeiter steht dabei über den Interessen einzelner.“

Geißingers Vertrag läuft Ende 2014 aus. Der Schaeffler-Chef steht seit 15 Jahren an der Unternehmensspitze. Die Gesellschafter hätten jedoch entschieden, Geißingers Vertrag nicht mehr zu verlängern, so das „Manager Magazin“.

Der Vorstandsvorsitzende gelte seit der für Schaeffler nahezu tödlichen Übernahmeattacke auf den größeren Hannoveraner Konkurrenten Continental als angezählt, schreibt das „Manager Magazin“. Den Ausschlag habe jetzt gegeben, dass Geißinger insbesondere für Maria-Elisabeth Schaeffler „kein Mann der Zukunft“ sei, hieße es in Herzogenaurach.

Als Alternativoption für den Fall, dass sich dessen Wechsel doch noch zerschlage, gelte in Herzogenaurach Siegfried Wolf. Der ehemalige Co-Chef des austrokanadischen Automobilzulieferers Magna sitzt für Schaeffler bereits im Continental-Aufsichtsrat.

Geißinger steht seit 1998 an der Unternehmensspitze. Unter seiner Führung hatte der Wälzlagerhersteller 2009 versucht, sich den sehr viel größeren Zulieferer Continental einzuverleiben, hatte sich an den dafür aufgenommenen Schulden aber fast verhoben.

Seither versucht Schaeffler, den enormen Schuldenberg zu reduzieren und kommt nur langsam voran. Erst vor wenigen Tagen hatte das Familienunternehmen den Kursanstieg der Conti-Aktie genutzt und sich von weiteren knapp vier Prozent der Anteile an dem Dax-Konzern getrennt. Nun lasten noch neun Milliarden Euro Schulden auf der Firma, die ihren verbleibenden Conti-Anteil von 46 Prozent nach eigener Aussage langfristig halten will.

Analysten vermuten jedoch, dass Schaeffler weitere Aktien verkaufen wird und am Ende einen Anteil von etwas mehr als einem Drittel anpeilen wird. Diese Größenordnung dürfte ausreichen, um die Geschicke des Reifen- und Elektronikspezialisten aus Hannover auf Hauptversammlungen weiter zu bestimmen.

Spekulationen über einen sogenannten reverse takeover, also eine Übernahme von Schaeffler durch Conti, wiesen die Familiengesellschafter in ihrem Brief zurück. „Dieses Gerücht ist schlicht falsch und ohne jede sachliche Grundlage.“

Tobias Döring, Redakteur Unternehmen, Handelsblatt Online
Tobias Döring
Handelsblatt / Chef vom Dienst
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Autozulieferer vor Chefwechsel?: Knorr-Vorstand offenbar Wunschkandidat bei Schaeffler"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @kkm6 ja man beachte nur die Übernahmeschlacht. Von allen Seiten gab es große Zweifel und Geißinger hat immer seine Strategie voran getrieben, und wie sich nun herausgestellt hat war dies auch die richtige Entscheidung. Abschließend zu sagen glaube ich auch nicht an einen Abgang...

  • @M.Kollmann: Die Firma hat unter seiner Leitung viel durchgemacht und überstanden. Ihn jetzt zu entlassen ist auch gegenüber dem CEO nicht loyal, noch dazu wenn er einen guten Job gemacht hat

  • Kann mir auch nicht vorstellen dass Geißinger gehen muss. Wie schon mehrmals betont hat er gut gearbeitet, er kennt die Firma, und ist ein langjähriger Mitarbeiter. Ich bin nicht sicher ob ein Vorstandswechsel Sinn machen würde.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%