AWD-Chef Maschmeyer
Genialer Verkäufer sendet Rückzugssignale

Dass Carsten Maschmeyer zu Recht als genialer Verkäufer gilt, hat er einmal mehr bewiesen. Swiss Life zahlt eine kräftige Prämie, um sich Maschmeyers Lebenswerk – den Finanzdienstleister AWD – einzuverleiben. Der 48-Jährige und seine Familie halten damit nur noch zehn Prozent der Aktien. Und manch einer spekuliert, dass der er dem Unternehmen ganz den Rücken kehren könnte.

FRANKFURT. Eigentlich sollte der gebürtige Bremer nach den Wünschen seiner Mutter Mediziner werden. Doch das Studium schmeißt er kurzerhand hin und heuert als Vertreter beim Finanzvertrieb OVB – damals „Objektive Vermögensberatung“ – an. Schnell steigt er auf. Als Maschmeyer 1988 den Verkauf der OVB kommen sieht, gründet er in Hannover den „Allgemeinen Wirtschaftsdienst“, kurz AWD. Die Produktpalette reicht von Versicherungspolicen über Investmentfonds hin zum Bausparvertrag. Bekanntheit erlangt „Maschi“ damals nicht zuletzt wegen seiner bunten Krawatten und dem Faible für Goldkettchen. Vor allem aber wegen des rasanten Wachstums seines Unternehmens.

Im Jahr 2000 bringt Maschmeyer AWD an die Börse und behält selbst die Mehrheit. „Vielleicht war der Börsengang der Anfang vom Ende“, urteilt heute einer, der den AWD-Gründer schon lange kennt. „Maschmeyer ist nicht der Typ, der sich morgens an den Schreibtisch setzen will, um sich von einem 32-jährigen Analysten fragen zu lassen, weshalb man die Prognosen verfehlt hat.“ Dem früheren Mittelstreckenläufer, der Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder zum Freundeskreis zählt, liege es mehr, Vertriebler zu motivieren.

Zwar wächst AWD vorerst weiter, doch der Einstieg in Italien und in Großbritannien wollen nicht gelingen. Hinzu kommen wachsende regulatorische Vorgaben, wie die EU-Vermittlerrichtlinie, die zuletzt das Geschäft für AWD erschwerten. Mitte November muss Maschmeyer die Prognose 2007 einstampfen. In der Folge erreicht der Aktienkurs mit gut 17 Euro den tiefsten Stand seit rund vier Jahren.

Swiss Life bietet nun 30 Euro je Anteilsschein – im Gegenzug steigen Maschmeyer und seine Familie weitgehend aus. Der AWD-Gründer soll zwar für fünf weitere Jahre an Bord bleiben. Doch manch einer hegt daran Zweifel. „Das dauert nicht lange, und Maschmeyer ist ganz weg“, vermutet einer im Umfeld des Unternehmens.

Tatsächlich ist Maschmeyer für Überraschungen gut, wie ein Blick auf das Jahr 2005 zeigt. Damals trennte sich der AWD-Gründer im März von Aktien im Wert von 235 Mill. Euro. Im Herbst schockte er dann die Märkte mit einer Gewinnwarnung.

Hans G. Nagl
Hans G. Nagl
Handelsblatt / Senior Financial Correspondent
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