Axa-Deutschland-Chef Eugène Teysen: Streicheleinheiten für Klinkenputzer

Axa-Deutschland-Chef Eugène Teysen
Streicheleinheiten für Klinkenputzer

Am Anfang war das Machtwort. Eugène Teysen, kaum als neuer Deutschland-Chef des Versicherungsriesen Axa im Amt, macht sich für die Vertreter stark. „Ich rief Henri de Castries an, sagte, der Vertrieb wird nicht ausgelagert“, erzählt Teysen. Der mächtige französische Axa-Chef, der sich mit Teysens Vorgänger Claus-Michael Dill entzweite, nickt die Entscheidung seines neuen Statthalters am Rhein ab.

HB KÖLN. Die 3 000 Vertreter sind erleichtert, auch darüber, dass ihr neuer Chef auf Kuschelkurs eingeschwenkt ist. Aber ist der 54-jährige Teysen, der im vergangenen September die Wacht am Rhein übernommen hat, der richtige Mann, um dem frustrierten Vertrieb der deutschen Axa neues Leben einzuhauchen?

Jedenfalls arbeitet er hart daran, von früh bis spät, wohnt in den ersten Monaten gar auf dem Firmengelände, in einem von vier kleinen Studios. Dann vermittelt ihm Aufsichtsrat Claas Kleyboldt eine Wohnung in einer Altbauvilla im Kölner Süden. Schnell verschafft sich der Belgier, der zuvor für den Finanzdienstleister Fortis die Versicherungssparte betreute, bei den Angestellten Respekt. Bereits an seinem ersten Arbeitstag spricht er mit dem Betriebsrat, gemeinsam sitzt man im Salon Paris, einem der geräumigen Säle mit Restaurantbetrieb in der Kölner Zentrale.

Quer durch die Republik protestieren in diesen Tagen Versicherungsbeschäftigte in einer für die Branche ungewöhnlich harten Tarifauseinandersetzung, fordern angesichts sprudelnder Gewinne den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen durch die Arbeitgeber. Genau dies ist eine von Teysens ersten Amtshandlungen: Er verlängert das Bündnis, welches betriebsbedingte Kündigungen bei der Axa bis zum Jahr 2012 ausschließt. „Es gibt in Deutschland kein Unternehmen mit einer solch langen Jobgarantie“, sagt Teysen. Für den studierten Juristen und Ökonom ist dies kein Altruismus, sondern eine wichtige Voraussetzung, um die Mitarbeiter für Veränderungen zu gewinnen, „und Veränderungen werden kommen“, sagt Teysen in einer Journalistenrunde am Mittwochabend. Jetzt könnten sich die Beschäftigten ganz auf ihre Arbeit konzentrieren.

Teysen, dessen Ehefrau weiter als Rechtsanwältin bei Antwerpen lebt und arbeitet, wirkt bodenständig. Als solcher scheint er wenig von hochfliegenden Plänen zu halten. So wandert der Plan seines Vorgängers für den Vertriebsumbau in den Papierkorb. Die Axa Kundenbetreuung AG, so der Arbeitstitel, sollte Mitte 2006 an den Start gehen. Doch die freiberuflichen Vertreter, bis heute das Rückgrat eines jeden Versicherers in Deutschland, sehen dies ganz anders: Sie machen Front, wollen kein Anhängsel einer externen Vertriebsgesellschaft werden. Bei Teysen finden sie Gehör. „Ich erwarte eine Evolution, keine Revolution beim Vertrieb von Versicherungen“, begründet er seine Entscheidung, wobei er die nächsten fünf Jahre im Blick hat. Ein Axa-Insider spricht dagegen von einer weniger grundsätzlichen als vielmehr von einer „opportunistischen Entscheidung“ des Kölner Unternehmens – welches damit auch von der Unruhe bei Konkurrenten, insbesondere beim Marktführer Allianz, profitieren wolle. Unter dem Strich hat die Axa bereits ihre Vertriebstruppe leicht ausbauen können.

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