Axa-Gründer Claude Bébéar
Abtritt eines Großwildjägers

Die Nachricht stellte die Verkündung der Axa-Resultate klar in den Schatten: Aufsichtsratschef Claude Bébéar will bei der anstehenden Hauptversammlung sein Mandat nicht verlängern und den von ihm gegründeten Versicherungskonzern verlassen.

PARIS. "Ich habe stets das Prinzip verteidigt, dass Aufsichtsräte, die älter als 70 sind, ihr Mandat nicht verlängern sollten", erklärte Bébéar, "dieses Prinzip wende ich nun an mir selbst an." Bébéars Nachfolger wird Jacques de Chateauvieux, der bereits jetzt dem Aufsichtsrat angehört.

Der passionierte Großwildjäger Bébéar hat aus dem kleinen Versicherungsverein Mutuelles Unies mit einer Reihe von Zukäufen Europas zweitgrößten Versicherungskonzern Axa geformt. 1980 lag der Umsatz bei 150 Mill. Euro. Bei der Stabübergabe an Henri de Castries im Jahr 2000 waren es 75 Mrd. Euro.

Bébéar gilt zusammen mit BNP-Paribas-Aufsichtsratschef Michel Pébéreau als mächtiger Pate des Finanzplatzes Paris, der Karrieren fördern oder zerstören kann. Denn neben Axa sitzt Bébéar in den Kontrollräten weiterer Großkonzerne wie Vivendi oder BNP Paribas. So war es der Axa -Gründer, der vor sechs Jahren die Palastrevolte bei Vivendi mit anzettelte, um den damaligen Vivendi-Chef Jean-Marie Messier zu stürzen.

"Ich ein Pate? Lächerlich!", weist Bébéar dem ihn zugeschriebenen Einfluss stets zurück. Auch wenn Manager wie Bébéar auf die zunehmend internationalisierten französischen Konzerne weniger Einfluss noch als in den 80er-Jahren haben mögen - seine Stimme hat nach wie vor Gewicht. So berief ihn Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy jüngst in eine hochkarätig besetzte Kommission, die detaillierte Vorschläge gemacht hat, wie Frankreich seine Wachstumskräfte fördern kann.

Die Basis für Bébéars Einfluss liegt in seinem Erfolg als Unternehmer. 1991 wagt er zum Beispiel die Übernahme des US-Versicherungsvereins Equitable Life, die Nummer fünf der USA. Der US-Versicherer stand damals am Rande der Pleite; Bébéar schafft die Wende und erreicht die Zustimmung der Mitglieder, aus dem Verein eine Aktiengesellschaft zu machen. Fünf Jahre später macht Bébéar dann in Frankreich alles klar: Axa übernimmt die größere UAP und wird zur Nummer eins.

Der Absolvent der Elite-Schmiede Polytechnique hat sich indes in seiner ganzen Laufbahn nie nur für das rein Geschäftliche interessiert. 1983 gründete Bébéar zum Beispiel das Unternehmer-Netzwerk "Entreprise et Cité", um den Dialog zwischen Wirtschaft und Politik zu verbessern. Schließlich regierte seit 1982 Francois Mitterrand, der Banken und Industriekonzerne verstaatlichte.

Im Jahr 2000 schuf Bébéar seinen Think Tank "Institute Montaigne". Damit wollte er, wie er sagte "die politischen Entscheider mit dem Licht der Zivilgesellschaft erhellen". Noch bevor im Herbst 2005 Frankreichs Vorstädte in Flammen aufgehen, setzte der Axa-Gründer mit seinen Institut das Thema Diskriminierung in Unternehmen auf die Agenda. Sein Vorschlag, die Lebensläufe von Bewerbern zu anonymisieren, um Diskriminierung zu vermeiden, erregt landesweit für Aufsehen - und wird heute von Axa und anderen Konzernen praktiziert.

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