Aydin Dogan
Der Habicht vom Bosporus

Aydin Dogan, der einflussreichste türkische Medienunternehmer und neuerdings Partner des Axel-Springer-Konzerns, greift nach der TV-Senderkette Pro Sieben Sat 1. Der Unternehmer, dessen Nachname „Habicht“ bedeutet, wird schonmal mit dem Italiener Silvio Berlusconi verglichen - kein Wunder bei so viel Einfluss.

ATHEN. Solcher Bilder liebt er: der Patriarch mit Frau und vier Töchtern im Kreis seiner dankbaren Mitarbeiter, umgeben von Kameras und Mikrofonen. Aydin Dogan strahlt. Für einen Augenblick wirkt Bundeskanzlerin Angela Merkel, die etwas abseits steht, bei dieser Inszenierung verloren. Aber schnell nimmt Dogan sie in die Mitte. Beifall der überwiegend türkischen Belegschaft des Dogan-Verlages in Mörfelden-Walldorf brandet auf. Gilt dies der Kanzlerin oder dem Arbeitgeber? Das bleibt unklar.

Mitte September hat Aydin Dogan mal wieder in seine Deutschland-Zentrale geladen. Und wenn der Mann die deutschen Politiker nach Mörfelden-Walldorf bittet, dann kommen sie auch. Gerhard Schröder war schon hier, jetzt kam Merkel. Denn Dogan ist mächtig. Er kontrolliert nicht nur den größten Medienkonzern der Türkei. Seine Zeitungen haben auch großen Einfluss auf die 2,5 Millionen Türken hier zu Lande.

Jetzt greift der Medienzar vom Bosporus, dessen Nachname „Habicht“ bedeutet, nach der deutschen TV-Gruppe Pro Sieben Sat 1. Im Bieterverfahren um die vom US-Milliardär Haim Saban angebotenen Pro Sieben-Anteile habe die Dogan-Medien-Holding DYH das höchste Gebot abgegeben, berichten Insider. Eine pikante Konstellation. Denn erst vergangene Woche übernahm die Axel Springer AG 25 Prozent an der türkischen Sendergruppe Dogan TV, einer Tochter von DYH. Damit könnte der Axel-Springer-Verlag, der bereits mit 12 Prozent an Pro Sieben beteiligt ist und bei der Übernahme der Saban-Anteile am Einspruch des Kartellamts scheiterte, durch die Hintertür doch noch zum Zuge kommen.

Aydin Dogan würde mit einer Übernahme von Pro Sieben sein Medienimperium um ein wichtiges Unternehmen erweitern. Innerhalb der Dogan-Holding liegt der Umsatzbeitrag der Mediengruppe DYH bei 15 Prozent, dennoch ist sie eine der wichtigsten Säulen. Denn die acht Tageszeitungen, 22 Magazine und 18 TV-Sender verhelfen Dogan zu jenem öffentlichen und politischen Einfluss, der seine anderen Geschäfte fördern kann.

Unter dem Dach der Dogan Holding, als deren Chairman der 70-Jährige fungiert, operieren mehr als 100 Firmen – vom Stahlunternehmen Celik Halat über den Auto-Zulieferer Ditas, die Marketingfirma Milpa, den Versicherungskonzern Ray Sigorta bis zum Touristikunternehmen Milta und dem Tankstellenbetreiber Petrol Ofisi (PO). Gemeinsam mit der österreichischen OMV, die 34 Prozent an PO hält, baut Dogan das Unternehmen zu einem breit aufgestellten Energiekonzern aus. Seit 2002 betreibt Dogan auch Bio-Landwirtschaft auf einer großen Farm in Kelkit, jenem anatolischen Nest, wo er als Sohn eines Gemischtwarenhändlers und Dorfvorstehers zur Welt kam.

Dogans besondere Leidenschaft aber gehört dem Mediengeschäft. Vor 27 Jahren kaufte er das Massenblatt „Milliyet“. Dank ständiger Zukäufe ist das Portfolio der Medienholding DYH inzwischen breit gefächert. Die beiden Fernsehsender „Kanal D“ und „Star“ gehören zu den populärsten und profitabelsten des Landes. In einem Joint Venture mit Time Warner betreibt Dogan den Nachrichtensender CNN Türk.

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