Babcock-Pleite
Ermittlungen gegen Tui-Chef Frenzel eingestellt

Freispruch für Tui-Chef Michael Frenzel: Die zweitgrößte Pleite der deutschen Nachkriegsgeschichte bleibt für ihn ohne juristische Folgen - das Verfahren gegen ihn wurde eingestellt. Der Preis: 750 000 Euro.

HB DÜSSELDORF. Das Ermittlungsverfahren gegen Tui-Chef Michael Frenzel nach der Pleite des Maschinenbaukonzerns Babcock Borsig ist gegen Geldauflage von 750 000 Euro eingestellt worden. Außerdem müssen zwei frühere Babcock-Manager insgesamt 250 000 Euro zahlen, sagte Arno Neukirchen von der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft am Mittwochabend und bestätigte damit einen Bericht der Tageszeitung "Die Welt“.

Nach rund fünfjähriger Ermittlungsarbeit sehe die Staatsanwaltschaft den Verdacht der Untreue begründet, sagte Neukirchen. "Insgesamt war die Beteiligung der Herren aber relativ gering.“ Der Touristikkonzern Tui (Hannover) erklärte, mit der Einstellung des Verfahrens sei "keinerlei Schuldfeststellung verbunden“.

Gegen den früheren Babcock-Chef Klaus Lederer und den Tui- Finanzvorstand Rainer Feuerhake gehen die Ermittlungen weiter, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Das Verfahren sei hier noch nicht so weit fortgeschritten. Bei Tui-Chef Frenzel und den beiden Ex-Managern von Babcock werde dem öffentlichen Interesse mit der Geldauflage genüge getan, betonte Neukirchen. Tui war früher Babcock- Großaktionär und hatte - damals noch unter dem Namen Preussag - 1999 für Millionensummen mehrere Beteiligungen an Babcock verkauft.

Tui erklärte in einer Stellungnahme am Abend, die Einstellung des Verfahrens sei von Seiten der Staatsanwaltschaft vorgeschlagen worden. Frenzel habe nur zugestimmt, "weil hierdurch das auch die Tui AG belastende überlange Ermittlungsverfahren zeitnah beendet werden kann“. Die Babcock-Pleite 2002 war eine der größten Insolvenzen der deutschen Wirtschaft. Der "Welt“ zufolge galten Fenzel, Lederer und dem inzwischen verstorbene langjährige Vorsitzenden der WestLB, Friedel Neuber, als die wichtigsten Beschuldigten in dem Ermittlungsverfahren im Zusammenhang mit der Pleite.

Behörden-Sprecher Neukirchen sagte, bei den Ermittlungen sei es in allen fünf Fällen "im Wesentlichen um Untreue-Verdacht“ gegangen. Babcock Borsig war im Sommer 2002 in die Pleite gerutscht. Zuvor hatte Tui während seiner Neuausrichtung zum Tourismus-Konzern noch unter dem Namen Preussag Beteiligungen an Babcock verkauft, darunter auch die gut laufende Schiffbau-Sparte HDW. Das HDW-Kapital sei an Babcock übergegangen und dann "relativ schnell verschwunden“, wie Neukirchen sagte.

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