BaFin-Chef Jochen Sanio
Kompetenz unbestritten, Auftritt selbstgefällig

Dem Klischee eines typischen Beamten entspricht Deutschlands oberster Finanzaufseher ganz und gar nicht: Statt sich hinter Paragrafen zu verschanzen, geht der 59-jährige Jurist verbal gern in die Vollen.

FRANKFURT/BERLIN. Mal geißelt er Hedge-Fonds als „Gefahr für die Stabilität des Finanzsystems“ und als „schwarzes Loch“, dann wieder nimmt er mit spitzer Zunge die Ertragsmisere der Kreditbranche aufs Korn. Öffentlich rüffeln lassen musste sich auch Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann: Als die Bank ihren Immobilienfonds dichtmachte, sprach Sanio flugs von einem „schwarzen Dienstag“.

Solche Töne mögen den betroffenen Banken nicht immer gefallen. Aber sie symbolisieren das neue Selbstverständnis der Finanzaufsicht. Lange Zeit wurden die frühere Bankenaufsicht BaKred (Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen) und die Wertpapieraufsicht zu Recht als „zahnlose Tiger“ verspottet. Beide wurden vor vier Jahre mit der Versicherungsaufsicht zur heutigen „Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht“ (BaFin) zusammengelegt, an deren Spitze Sanio berufen wurde. Und der machte nicht nur mit geschliffenen Worten auf sich aufmerksam, sondern vor allem mit knallhartem Durchgreifen. Das musste beispielsweise der frühere WestLB-Chef Jürgen Sengera erfahren, den Sanio kurzerhand zum Rücktritt nötigte. Unter Sanios Vorgänger wäre eine derartige Demontage des Chefs einer der größten deutschen Banken, noch dazu im Rampenlicht der Öffentlichkeit, unvorstellbar gewesen. Auch andere Banker mussten auf Druck der BaFin ihren Schreibtisch räumen, so etwa der frühere Vorstandschef der Frankfurter Sparkasse, Klaus Wächter.

Sanios Härte wird verständlich, wenn man sich vergegenwärtigt, dass die Kreditbranche in den vergangenen Jahren die tiefste Krise der Nachkriegszeit durchmachte. Heikle Situationen gab es viele: Ende 2005 beispielsweise gelang es der BaFin gerade noch eben, den Zusammenbruch der Hypothekenbank AHBR abzuwenden. Auch als die Deutsche Bank ihre Immobilienfonds schloss, drängte Sanio öffentlich auf eine Entschädigung der Anleger – was Ackermann nach anfänglichem Zögern auch tat.

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