Bahn-Chef
Mehdorn: „Es geht um keine Abfindung“

Noch-Bahn-Chef Hartmut Mehdorn hat sich gegen Vorwürfe gewehrt, er wolle für sein Ausscheiden aus dem Amt eine Abfindung. Über seinen Nachfolger äußerte er sich positiv, er will ihm helfen sich einzuarbeiten. Außerem warnte er vor einem „volkseigenem Betrieb Bahn“.

HB BERLIN. Bahn-Chef Hartmut Mehdorn hat sich gegen Vorwürfe gewehrt, er wolle für sein Ausscheiden aus dem Amt noch eine Abfindung. „Es geht um keine Abfindung, will ich auch gar nicht, es geht einfach um Vertragserfüllung“, sagte Mehdorn der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwochabend. Daher seien auch Vorwürfe der Maßlosigkeit abwegig. „Das ist jetzt so eine Welle“. Regierungssprecher Ulrich Wilhelm hatte an Mehdorn appelliert, angesichts der Diskussion um Managerbezüge ein „gewisses Gebot zur Mäßigung zu berücksichtigen.“ Wilhelm räumte aber ein, er kenne die Bestimmungen dessen Arbeitsvertrages nicht, der formal noch bis Mitte 2011 läuft. „Da wird Stimmung gemacht, da kann man sich nicht wehren, das ist eben das Problem“, sagte Mehdorn dazu in seinen ersten öffentlich Äußerungen nach seinem angekündigten Rückzug von der Spitze der Deutschen Bahn.

Nach Informationen des Handelsblatts hat Mehdorn aus seinem Vertrag Ansprüche nicht nur auf ein Fixgehalt, sondern auch auf variable Bezüge. Das Fixgehalt habe 2008 bei 750 000 Euro gelegen. Der Bonus sei aber teils weit höher gewesen.

Mehdorn, der zurzeit in Frankreich Urlaub macht, sagte, der Aufsichtsrat wolle am 25. April tagen. Dann werde auch sein Nachfolger Rüdiger Grube formal bestellt: „Ich glaube, das ist ein guter Mann, ich schätze ihn sehr, der geht da mit Herz ran. Ich glaube, der kann das schaffen.“ Allerdings müsse Grube sich auf das gewaltige Medieninteresse einstellen: „Er muss ein dickes Fell mitbringen“, sagte der noch amtierende Bahnchef.

Auch müsse sein Nachfolger fleißig sein. Davon, dass dies der Fall sei, habe er sich überzeugen können, als Grube einst als sein Büroleiter in der Luftfahrtindustrie arbeitete, sagte Mehdorn. Er werde Grube jedenfalls zur Verfügung stehen, um ihn in seine Aufgaben einzuarbeiten.

Der scheidende Bahnchef warnte vor zu starker Einflussnahme von außen auf die Bahn: „Man muss mal sehen, was das ganze Umfeld macht, wenn diese Welt da plötzlich einen volkseigenen Betrieb Bahn macht“, sagte er. „Dann wird es schwierig werden.“ Wichtig sei daher, dass die Politik sich zurückhalte: „Die Bahn muss man privatwirtschaftlich, marktkonform führen. Eine Bahn verwalten, dass bringt nur die alte Bundesbahn.“

Der Bahn-Chef räumte ein, dass er bis vor kurzem selbst mit den derzeitigen Entwicklungen und seinem Abschied noch nicht gerechnet habe:“Das kam ja alles auch überraschend, das hätte ich ja nie gedacht, dass so was so möglich ist. Ich bin ja noch ganz perplex.“ In der Datenaffäre, über die er letztlich gestolpert ist, erwarte er keine großen Ergebnisse mehr: „Ich habe jedenfalls zu keiner Zeit irgendetwas getan, wo ich ein schlechtes Gewissen haben müsste“, betonte Mehdorn erneut. Es sei aber klar, dass man „als Vorstandsvorsitzender nicht in jeder Ritze“ sein kann.

Das Ende seiner beruflichen Laufbahn werde dies jedoch nicht sein, kündigte er an, ohne konkrete Pläne zu nennen. „Für das Altenteil bin ich sicher noch ein bisschen zu jung“, sagte der 66-Jährige.

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