Bahn
Volker Kefer - ein Mann für heiße Stühle

Volker Kefer übernimmt morgen den Posten des Technikvorstands bei der Bahn - und muss das Sicherheitsproblem bei den ICE-Achsen lösen.

DÜSSELDORF. Wenn es die wenige Freizeit zulässt, zwängt er sich in die Lederkluft, schwingt sich auf sein geliebtes Motorrad und ist auf und davon. Auf diese Weise jung geblieben, steuert er jetzt auch beruflich mit Vollgas nach oben: Am morgigen Mittwoch wird der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn den bisherigen Vorstand der Tochter Netz AG, Volker Kefer, zum neuen Vorstand Technik des Konzerns ernennen. Selten ist eine Spitzenpersonalie bei der Bahn schon vor dem entscheidenden Votum des Kontrollgremiums so offen gehandelt worden. Der Grund: Es gibt wohl kaum jemanden, der Kefer nicht für eine gute Wahl hielte.

Er muss einen Job antreten, der tückisch sein kann wie eine Passstraße mit nassem Herbstlaub für den Motorradfahrer. Denn es ist ein Job, der den promovierten Diplom-Ingenieur zwar in die Konzernspitze hievt, aber ihm dafür reichlich Verantwortung aufbürdet: Er muss den Kopf hinhalten für die – in der letzten Zeit durchaus umstrittene – Sicherheit des Systems Bahn.

Und zugleich wird er oberster Einkäufer. Er muss zusehen, wie er trotz schrumpfender Milliardenbudgets unter dem Spardiktat von Bahn-Chef Rüdiger Grube und seinem Finanzchef Diethelm Sack das Optimum zum erfolgreichen Betrieb des staatseigenen Transport- und Logistikriesen herausholt. Hinzu kommt noch das operative Geschäft von DB Dienstleistungen. Dieses Konzernkonglomerat fasst die Betriebe von Fahrzeuginstandhaltung, Auto- und Fahrrad-Vermietung, Gebäudemanagement und vieles andere zusammen.

Die Vita erklärt, weshalb der 53-Jährige – meist mit Vollbart und einer Haarlänge einige Millimeter über Manager-Durchschnittsmaß – im Umfeld rund um die Bahn als Idealbesetzung für den Posten gilt. Kefer ist zwar kein gelernter Eisenbahner, doch er kennt das Geschäft von der anderen Seite aus bestens: Diverse Stationen bei Siemens führen den gebürtigen Koblenzer, der in Erlangen aufwächst, Anfang des Jahrzehnts in die Bahntechnik-Sparte. Dort ist er unter anderem für den Lokomotivbau und für Nahverkehrssysteme verantwortlich, bis ihn Mehdorn an die Spitze der Infrastruktur-Gesellschaft holt. Nun versteht er beide wesentlichen Seiten des Bahngeschäfts: Er kennt sich aus beim rollenden Material und beim Schienennetz. Und Sparen lernt er schon bei Siemens: Mit einem Restrukturierungsprogramm senkte er die Kosten im Grazer Drehgestellwerk des Konzerns um 45 Prozent. „Wir wären heute tot“, sagt er damals in einem Interview, „wenn der Sparkurs nicht funktioniert hätte.“

Auf einen Technikchef mit Bahnsachverstand hatte die Bahn in den letzten zwei Jahren verzichtet – nachdem Amtsinhaber Roland Heinisch in den Ruhestand gegangen war. Heinisch war studierter Ingenieur und gelernter Eisenbahner von der Pike auf und hatte nach Bahn-Reform und -Sanierung seinen wechselnden Vorständen beharrlich klargemacht hatte, dass Bahnbetrieb ohne Geldverdienen auf Dauer keine Zukunft hat.

Das sind Gedanken, die auch Kefer nicht fern liegen. In den drei Jahren als Chef der Schieneninfrastruktur war er der Treiber von „Pro-Netz“. Das ist die noch von seinem Vorgänger Stefan Garber, heute Infrastrukturchef in der Konzernholding, entwickelte Strategie für das Netz: nicht erst warten, bis etwas defekt ist, sondern vorher reparieren. Garber und Kefer zogen an einem Strang und verbesserten die Qualität des Schienennetzes.

„Wir haben eine erheblich höhere Effizienz in der Abwicklung des Betriebes“, stellte Kefer fest. „Diese Effizienz kommt allen zugute – dem Staat, der Bahn und unseren Kunden.“ Und bis zur Absage des Börsenganges vor einem Jahr trommelte Kefer immer wieder für die Teilprivatisierung, für die er im Konzern „Dynamik, Initiative und Kommunikation“ forderte.

In seinem Umfeld sehen etliche Mitarbeiter Kefers Weggang als Gefahr, dass nun der Eifer bei der Netz-Instandhaltung zurückgehen könnte. Allerdings spricht die Nachfolge-Personalie dagegen: Die Position bei der Netz AG wird nicht neu besetzt. Inoffiziell heißt es, Garber werde diesen Job in Personalunion neben den Aufgaben in der Holding übernehmen.

Kefers Herkunft sollte es ihm leichter machen, das in der Ära Mehdorn gestörte Verhältnis zwischen Bahn und Industrie zu verbessern. Willkommen ist er auf der anderen Seite: „Wir freuen uns, dass er Technik-Vorstand wird, wir drücken ihm alle Daumen“, sagt Roland Pörner, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Bahnindustrie.

Das ungelöste Problem der Sicherheit bei ICE-Achsen gehört zu einer der vordringlichen Aufgaben. Da wird er reichlich Druck aushalten müssen, von den ehemaligen Industriekollegen ebenso wie von Bahn-Chef Grube. Doch er gilt als starker Kommunikator, vermag zu motivieren, bleibt stets freundlich-verbindlich im Ton, aber mit aller Konsequenz am Ball.

Als seine Hobbys gibt der offizielle Lebenslauf der Bahn an: Familie, Laufen, Lesen, gute Diskussionen bei einem Glas Wein. Mag sein, dass sich Kefer da demnächst erst einmal mächtig einschränken muss.

Irene Rosenfeld

1956 Er wird am 19. Januar geboren. Volker Kefer studiert nach dem Abitur in Erlangen Elektrotechnik und allgemeinen Maschinenbau in München.

1983 Er beginnt bei Siemens, wo er im Laufe der Zeit aufsteigt und zum Dr.-Ing. promoviert.

1993 Kefer arbeitet im Projektmanagement für Dampfkraftwerke und leitet dann ab 1996 das zentrale Marketing für die Kraftwerksleittechnik.

1998 Er wird Vorstandsmitglied der Siemens SGP Verkehrstechnik im österreichischen Graz.

2001 Kefer übernimmt die Geschäftsgebietsleitung Lokomotiven von Siemens in Deutschland.

2005 Er rückt an die Spitze des Geschäftsgebiets Mass Transit von Siemens in Deutschland.

2006 Kefer wechselt zur Deutschen Bahn und wird Vorsitzender des Vorstands der DB Netz AG.

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