Bahn
Werner Grebe: neuer Saubermann für die Bahn

KPMG-Manager Werner Grebe wird neuer Chief Compliance Officer und soll verlorenes Vertrauen zurückgewinnen. Er soll als oberster Korruptionsbekämpfer im Bahnkonzern für einen regelkonformen Geschäftsbetrieb sorgen.

DÜSSELDORF/FRANKFURT. Er ist promovierter Jurist wie sein Vorgänger. Doch anders als Wolfgang Schaupensteiner kommt Werner Grebe nicht aus der Justiz, sondern aus der Wirtschaft. Er kennt das heikle Geschäft rund um illegale Versuchungen für Mitarbeiter zulasten ihres Unternehmens aus praktischer Erfahrung bei der Dresdner Bank. Dort war er Konzernbeauftragter für Compliance und Geldwäschebekämpfung und zuletzt auch bei der Beratungsfirma KPMG.

Wo der beurlaubte Oberstaatsanwalt Schaupensteiner auch in Bahn-Diensten stets der Strafverfolger blieb - hart, fordernd, bestimmend, kompromisslos in der Sache -, muss Grebe im Grundsatz kaum umlernen, wenn er jetzt den Posten als Chief Compliance Officer der Bahn übernimmt.

Kulturen, Befindlichkeiten und Hierarchien in einem Großunternehmen werden ihm näherliegen als seinem Vorgänger. Der hatte, aus der Behördenwelt kommend, die Datenschutzaffäre bei der Bahn in ihrer politischen und menschlichen Dimension völlig falsch eingeschätzt und so indirekt zum Sturz von Bahnchef Hartmut Mehdorn und zu seinem eigenen beigetragen.

Einen stattlichen 1,90-Meter- Mann hat sich Vorstandschef Rüdiger Grube für die Aufgabe geholt, die mit "oberster Korruptionsbekämpfer" nur unzureichend beschrieben ist. Nein, der Chief Compliance Officer soll ganz generell im Bahnkonzern dafür sorgen, dass dort in allen Bereichen ein "regelkonformer" Geschäftsbetrieb abgewickelt wird, heißt es an seinem künftigen Arbeitsplatz im Berliner Bahn-Tower. Regelkonform vom Umweltschutz über die Sicherheit bis hin zum Arbeitsrecht. Da gibt es viel zu tun in einem Konzern, der in der Mehdorn-Ära sich nachweislich reichlich Regelverstöße insbesondere im Umgang mit den Mitarbeitern erlaubte und diese als "Ordnungswidrigkeiten" nicht richtig ernst nahm.

"Mit Werner Grebe als Chief Compliance Officer werden wir uns Schritt für Schritt das Vertrauen der Mitarbeiter und Öffentlichkeit zurückerarbeiten", ließ sein zukünftiger Chef Gerd Becht, designierter Vorstand Compliance, Datenschutz und Recht der Deutschen Bahn, gestern verkünden. Grebe, der im fliegenden Wechsel sofort auf den seit drei Monaten leeren Sessel von Schaupensteiner wechselt, besitze große Erfahrungen in der Compliance-Arbeit und genieße das Vertrauen des gesamten Vorstands, sagte die Bahn weiter.

Der gebürtige Recklinghäuser soll bei der Bahn aufräumen und die vorhandenen Aufgeregtheiten abbauen. Dafür bringt er gute Voraussetzungen mit. Denn Weggefährten bescheinigen ihm, dass er die Ruhe weghabe. Freundlich und verbindlich trete er auf, passe so gut zum Bahnchef, der ja auch an allen Fronten erst einmal lächelnd aufgetreten sei. Dem 49-jährigen Vater dreier Kinder wird zudem nachgesagt, er gehe Probleme gemächlich an, sei ein Freund des guten Lebens und obendrein gesellig und kommunikativ.

Auch wenn Grebe einer ist, der nach den Einschätzungen früherer Mitarbeiter selten die Geduld verliert und strittige Dinge gerne ausdiskutiert, sind dem Langmut offenbar auch Grenzen gesetzt. Am Ende einer Auseinandersetzung hätte er gerne recht, monieren seine Kritiker. Sie bezweifeln, dass der Vorzeige-Jurist auch ein guter Manager ist. "Der sucht Leute schon danach aus, wer lieb zu ihm ist", sagt einer, der ihn schon lange kennt. "Widerspruch liebt er nicht besonders", sagt ein anderer. Querdenker habe er nicht gern. Jene, die ihn nicht mögen, bescheinigen ihm eine gewisse Arroganz im Umgang mit Mitarbeitern. Die äußere sich dann in einem ironischen Unterton, der die Gesprächspartner durchaus auch treffen könne.

Mit Spannung beobachten Weggefährten, wie er die hohen Erwartungen an die neue Aufgabe in Berlin erfüllen wird. Dass er - wie sein Vorgänger Schaupensteiner - in seiner Abteilung alles umkrempele, sei eher nicht zu erwarten. Er gilt als einer, der lieber den Ist-Zustand pflegt.

Dass er auch Sümpfe trockenlegen kann, hat er bei der Treuhandanstalt bewiesen: Da überführte Grebe die Vermögen der Blockparteien ins Eigentum der Bundesrepublik.

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