Bahnfahrt
Was in Zug und Bahn alles passieren kann

Defekte Türen, Kaffee auf der Jacke, Unfälle: Verspätungen sind bei Weitem nicht das Schlimmste, was Bahnfahrern passieren kann. Das belegen die folgenden Urteile.

Automatiktür: Eine betagte Rheinländerin fuhr mit dem ICE nach Wuppertal. Beim Einstieg in Berlin hielt sie sich mit der linken Hand am Haltegriff fest; in der rechten balancierte sie einen Rollkoffer. Als die Tür nach wenigen Sekunden automatisch zuging, kam die Dame aus dem Gleichgewicht und stürzte. Für die Blessuren verlangte sie von der Bahn Schadensersatz - ohne Erfolg. Nach Ansicht der Richter muss eine Automatiktür vor dem Schließen keine optischen oder akustischen Warnsignale abgeben. Passagiere "in instabiler Lage" seien verpflichtet, sich der Hilfe Dritter zu vergewissern (Oberlandesgericht Düsseldorf, 19 U 10/06).

Kaffee: Eine Berlinerin freute sich auf ihren Urlaub und stieg gegen 10.30 Uhr in einen ICE Richtung Süden. Eine Stunde später war es mit der Vorfreude vorbei. Im Gedränge eines Großraumwagens schüttete ihr ein Bahnmitarbeiter heißen Kaffee über den Arm. Obwohl die Dame ihre durchnässte Strickjacke sofort auszog, blieben Verbrennungen zweiten Grades zurück. Für die dreimonatige Behandlung forderte sie Schadensersatz und Schmerzensgeld. Als die Bahn nicht zahlte, zog sie vor Gericht und erhielt 1 000 Euro. Der Einwand der Bahn, ihr Mitarbeiter sei beim Kaffeeausgießen von einem unbekannten Dritten gestoßen worden, beeindruckte das Gericht nicht. Entscheidend sei, dass der Unfall durch die "typische räumliche Enge" im Großraumwagen ausgelöst wurde (Amtsgericht Berlin-Tiergarten, 6 C 381/06).

Sprung: Eine Musicaltänzerin hatte es nach der Probe eilig: Obwohl ihre S-Bahn bereits losfuhr, versuchte sie, die Tür zu öffnen und einzusteigen. Das Unterfangen endete tragisch: Die junge Frau geriet unter die Räder und verlor beide Beine. Ihre Klage gegen das Nahverkehrsunternehmen war erfolglos. Sobald die Bahn fahre, müsse sich der Zugführer auf die vor ihm liegende Strecke konzentrieren, sagten die Richter. Ihre Verletzungen habe die Klägerin "leichtsinnig" selbst verschuldet (Oberlandesgericht Düsseldorf, 1 U 111/00).

Zum gleichen Ergebnis kamen die Richter in Frankfurt, nachdem drei Bahnkunden versucht hatten, auf einen rollenden Interregio aufzuspringen. Zweien gelang es. Die dritte im Bunde, eine übergewichtige Dame, rutschte ab und wurde mehrere Meter mitgeschleift. Jede "vernünftige Person" wisse, dass das Aufspringen auf einen fahrenden Zug lebensgefährlich sei (Landgericht Frankfurt, 2/4 O 317/99).

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