Bahnkrise: High Noon für Hartmut Mehdorn

Bahnkrise
High Noon für Hartmut Mehdorn

Hartmut Mehdorn ist ein wahres Krisenkind. Der Bahnchef taumelt von einer Krise in die nächste. Jetzt muss Mehdorn gleich an mehreren Fronten gleichzeitig antreten: Der Staatskonzern wird von erneuten Streiks, dem Datenskandal und vielen weiteren Pannen durchgerüttelt. High Noon für Hartmut Mehdorn.

BERLIN. Der Neujahrsempfang des Verbandes der Bahnindustrie in Deutschland ist üblicherweise eine Veranstaltung wie viele andere auch. Da treffen sich ausgewählte Dunkelanzugträger mit dem Glas in der Hand: plaudern, verfeinern Netzwerke und vertiefen Kundenbeziehungen. Dieses Mal sorgte der Verband für einen Farbtupfer: Das „Lady Swing Quartett“ spielte auf.

Doch die Darbietung der temperamentvoll musizierenden Damen im roten, knappen Outfit ging bei vielen Gästen sang- und klanglos unter. Die dort vertretenen Manager der Deutschen Bahn hatten dafür weder Aug' noch Ohr – sie waren zu sehr mit sich selbst beschäftigt.

Denn in dem großen Konzern klemmt es an vielen Ecken und Enden, seit der Börsengang abgesagt wurde und die Finanzkrise das Transport- und Logistikgeschäft mit einem Umsatzeinbruch von 30 Prozent auf Talfahrt schickte. Viele Bahn-Manager, die ihrem Chef Hartmut Mehdorn durch dick und dünn auf dem Weg zur vorerst gescheiterten Teilprivatisierung folgten, sind völlig verunsichert.

„Keiner weiß bei uns mehr so richtig, wo es langgeht“, sagt ein Betroffener. Ratlosigkeit breitet sich aus, Frust auch.

Mehdorn stand zwar auf der Gästeliste. Bei früheren Neujahrsempfängen hielt er sogar eine Rede. Doch am Dienstag dieser Woche blieb er dem hochkarätigen Branchentreff fern. Mag sein, dass er nicht schon wieder über Probleme bei ICE-Achsen reden wollte. Oder über Verspätungen und Zugausfälle. Oder über den aktuellen Tarifkonflikt, kaum ein Jahr nach den Lokführerstreiks.

Und sicherlich nicht über das Problem, warum das Unternehmen im sogenannten „Screening“ gleich 173 000 Mitarbeiter darauf überprüfen ließ, ob sie illegale Beziehungen zu Lieferanten des Konzerns haben. Denn der Datenskandal wäre auf dem Empfang unter der noblen Adresse der Dresdner Bank gleich neben dem Brandenburger Tor noch kein Thema gewesen. Er wurde erst einen Tag später im Verkehrsausschuss des Bundestages öffentlich.

Die Welle der Entrüstung, die daraufhin überschwappte, hat den kämpferischen Chef der Deutschen Bahn nicht hinweggespült – noch nicht. Aber zumindest fehlt dem Unternehmen jedes Unrechtsbewusstsein in der Angelegenheit, wie einer Presseerklärung zu entnehmen ist.

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