Banca D'Italia
Kletterer zwischen den Welten

Der designierte italienische Zentralbankchef Draghi weiß im Gegensatz zu seinem Vorgänger Fazio den Rat anderer zu schätzen.

MAILAND. Der Weg nach oben macht ihm keine Angst. Wenn Mario Draghi, der neue italienische Zentralbankchef, nicht gerade zwischen London und New York hin- und herjettet, hängt er am liebsten an der Bergwand. Wenn die Route möglichst schwierig und möglichst vereist ist, dann fühlt sich der drahtige Ökonom wohl. Aber er geht nie ohne Bergführer.

Der 58-Jährige weiß den Rat anderer zu schätzen. Das ist vielleicht der entscheidende Unterschied zu seinem Vorgänger Antonio Fazio. Der hat die Institution der Banca d'Italia fast als Alleinherrscher geführt. Auch bei den jüngsten Bankenübernahmen, die ihm letztlich den Job gekostet haben (s. „Italiens Notenbankskandal“ am Ende des Artikels), hat sich Fazio über das Urteil seiner Mitarbeiter hinweggesetzt.

Draghi dagegen gilt als einer, der auf andere hört. Und auf seiner beruflichen Laufbahn hat er vielen hoch qualifizierten Menschen zuhören und von ihnen lernen können. Angefangen bei seinem Mentor an der Universität in Rom, dem einflussreichen italienischen Ökonomen Federico Caffè, dessen Assistent er wird. Später dann, am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston, das er als erster Italiener mit einem PhD (Dr. phil.) verlässt, sind seine Mentoren Franco Modigliani, der Nobelpreisträger, und Stanley Fischer, der heutige israelische Zentralbankchef. Später wird auch der heutige Staatspräsident Carlo Azeglio Ciampi den aufstrebenden Ökonomen begleiten, weshalb er auch als „Ciampi-Boy“ betitelt wird.

Als reserviert, zielstrebig, präzise und manchmal kalt wird Draghi beschrieben. In seinem Leben hat er kaum eine Hand voll Interviews gegeben. Aber Weggefährten nennen ihn auch teamfähig und einen Mann mit Sportsgeist. Schon am Gymnasium organisiert er die Basketballspiele. Sein Klassenkamerad und der heutige Fernsehmoderator Giancarlo Magalli lobt noch heute, dass Draghi ihn im Bus die Hausaufgaben abschreiben ließ. Aber zu weit hat es Draghi nie getrieben. Denn während Magalli wegen eines bösen Streichs von der Schule fliegt, bleibt er und legt den Grundstein seiner Karriere.

Der gebürtige Römer gilt als verantwortungsvoller Mensch. Vielleicht liegt es daran, dass er seinen Vater, der bei der Banca d'Italia arbeitete, schon im Alter von 15 Jahren verliert und seine Mutter kurze Zeit später. Schon in jungen Jahren muss er die Verantwortung für die jüngeren Geschwister übernehmen.

Als Draghi mit 35 Jahren von Boston nach Italien zurückkehrt, hat er sich bereits einen Namen gemacht. Seiner Professur für internationale Wirtschaft in Florenz bleibt er dennoch nicht lange treu. Zwei Jahre später, 1984, ist er schon wieder auf dem Weg auf die andere Seite des Atlantiks. Diesmal zieht es ihn nach Washington, wo er als Direktor bei der Weltbank anheuert. Diesmal dauert es sechs Jahre, bis er in die Heimat zurückkehrt.

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