Banca Intesa
Corrado Passera: Techniker der Macht

Corrado Passera, in Italien auch „Mister Mission Impossible“ genannt, hat mal wieder einen Coup gelandet: „Für mich ist das eine Genugtuung“, triumphierte der Chef der Banca Intesa, als er seinen Top-Managern Ende vergangener Woche die geplante Fusion mit Sanpaolo Imi präsentierte.

FRANKFURT. Ganz oder gar nicht, lautet sein Motto für die Macht, Aufräumen ist dabei sein bevorzugtes Werkzeug. Ob bei der italienischen Post, dem einstigen Chaos-Kreditinstitut Intesa oder bei der jetzt anstehenden Fusion mit Sanpaolo Imi, der hagere 51-Jährige liebt Herausforderungen. Als er 1998 Chef der Poste Italiana wurde, bestand das Staatsunternehmen aus unwilligen Beamten, einer Briefbeförderung, die so zuverlässig wie die Wettervorhersage war: Briefe konnten eintreffen oder auch nicht. Keiner glaubte an die Zukunft des Unternehmens.

Doch der ehemalige McKinsey-Berater zog das Sakko aus, krempelte die Ärmel auf, zog zu Felde gegen Schlendrian und Klüngelwirtschaft und schaffte innerhalb von vier Jahren einen der größten Turn-arounds der italienischen Wirtschaftsgeschichte. Um die Meinung anderer hat er sich dabei nie geschert, knallhart vertrat er als Postchef seine Interessen gegen Politik und Gewerkschaften, baute 18 000 Arbeitsplätze ab und investierte gleichzeitig massiv in die Weiterbildung. Ein Rezept, das ihm auch bei der Bankengruppe Intesa gute Dienste leistete. Chaos regierte im Frühjahr 2002 das Sammelsurium aus Banco Ambrosiano, Sparkasse Cariplo und der ehemals staatlichen Banca Comerciale Italiana.

Jede wirtschaftete für sich, keiner arbeitete zusammen. Faule Kredite in Lateinamerika und für Skandalunternehmen wie Enron oder Worldcom hatten das Institut an den Rand des Ruins gebracht. Intesa war ein Sanierungsfall. Passera griff durch: In einer Zeit, als jede Bank ihre Investmentabteilung ausbaute und sich nach dem Stil amerikanischer Großbanken ausrichtete, konzentrierte er sich auf Privatkunden und Mittelstand, verkaufte die risikoträchtigen Südamerika-Töchter und verringerte die Kredite an internationale Unternehmen um zwei Drittel. Zudem entließ er 7 000 Banker, schaffte klare Führungsstrukturen und den Turn-around. Ganz nebenbei drängte Passera den ehemals mächtigen erzkatholischen Intesa-Präsidenten Giovanni Bazoli in die Bedeutungslosigkeit.

„Neben Passera ist kein Platz für einen zweiten Chef“, hatten ihm Bankinsider schon damals bescheinigt. Auch nicht für einen Konkurrenten. Doch den bekam Passera gratis dazu: Seit Jahren kämpft er mit Unicredit-Chef Alessandro Profumo um die Vorherrschaft im Bankensektor. Beide Ex-McKinsey-Berater – hoch gewachsen, gesellschaftlich engagiert und Anhänger des Mitte-links-Lagers von Romano Prodi – liefern sich ein medienwirksames Kopf-an-Kopf-Rennen. Profumo, der Mann, der große Gesten liebt und den schönen Dingen zugetan ist, punktete zuletzt bei der Übernahme der Münchener HVB und avancierte mit der ersten grenzüberschreitenden Bankenfusion zum Mediendarling.

Schwer zu toppen für den kühlen Asketen Passera, der sein Imperium so nüchtern regiert wie das Mineralwasser, das er bevorzugt trinkt. Doch mit der bevorstehenden Fusion liegen sie wieder gleichauf. – Was für eine Genugtuung.

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