Bang & Olufsen: Sang- und klangloser Abgang

Bang & Olufsen
Sang- und klangloser Abgang

Hi-Fi-Hersteller Bang & Olufsen trennt sich von seinem Chef Torben Ballegaard Sørensen. Der 56-Jährige muss büßen für den Absturz der B&O-Aktie. Die unsicheren konjunkturellen Aussichten in den USA und in Europa hatten dem Hersteller von hochpreisiger Unterhaltungselektronik stärker zugesetzt als der Konkurrenz.

STOCKHOLM. Einen ausgedehnten Spaziergang am Strand unweit seines Hauses im westdänischen Struer wollte Torben Ballegaard Sørensen am Donnerstag unternehmen. Die Gedanken ordnen, tief durchatmen, die Seele durchpusten lassen von dem in dieser Jahreszeit meist eiskalten Wind an der dänischen Nordsee-Küste.

Wenige Stunden zuvor hatte der sympathische 56-Jährige überraschend den Kündigungsbrief erhalten. "Mit unmittelbarer Wirkung" trennte sich die dänische Luxus-Schmiede von durchgestylten Fernseh- und Audio-Anlagen, Bang & Olufsen, von ihrem Chef. Die Suche nach einem Nachfolger sei eingeleitet, hieß es nur. Der Vorstand scheint den Lautlos-Knopf gedrückt zu haben: Kein Wort des Danks für die fast sieben Jahre an der Spitze des kleinen, aber feinen Konzerns.

Natürlich nahm es der Geschasste mit Großmut. "So ist das, wenn man Konzernchef ist und die volle Verantwortung hat", zeigte er sich gestern loyal. Wenig Verständnis für den Rauswurf hatten dagegen die Finanzmärkte. Die B&O-Aktie sank um sieben Prozent. "Eine Überreaktion" nannte ein Kopenhagener Analyst den Rausschmiss.

Dennoch gibt es Gründe für die schnelle Trennung: Am Vortag fiel die B&O-Aktie um 30 Prozent - nachdem Ballegaard Sørensen sowohl einen deutlich unter den Erwartungen liegenden Halbjahresgewinn bekannt gegeben und - schlimmer noch - die Aussichten für das gesamte Geschäftsjahr drastisch nach unten korrigiert hatte. Die unsicheren konjunkturellen Aussichten in den USA und in Europa hatten dem Hersteller von hochpreisiger Unterhaltungselektronik stärker zugesetzt als der Konkurrenz. Kein Wunder, dass Kunden sich genau überlegten, ob sie sich einen neuen, großen LCD-Fernseher mit Heimkino-Anlage zulegen sollten oder doch lieber einen Zweitwagen. Preislich tat sich das wenig.

Auch der Ausflug in die gehobene Auto-Beschallung hat bislang noch nicht die Gewinne erbracht, die man sich in Struer erhofft hat. Zwar bieten Audi und Aston Martin das B&O-System gegen einen gepfefferten Aufpreis an, doch ein Umsatzrenner war der Vorstoß bislang nicht. Deshalb, so hieß es gestern am Konzernsitz, wolle man sich künftig wieder auf das Kerngeschäft besinnen.

Torben Ballegaard Sørensen hat Ähnliches schon einmal gehört. Beim dänischen Lego-Konzern war er bis zum Weggang zu B&O für die Entwicklung der programmierbaren Mindstorms-Steine verantwortlich. Diese Serie war zwar erfolgreich, allgemein stürzte der Ausflug in die Computerwelt Lego jedoch in eine Krise und zwang zur Rückbesinnung auf die bunten Steinchen.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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