Bank-Austria-Verkauf
Anleger dürfen HVB prüfen

Im Streit über den Verkauf der früheren Hypo-Vereinsbank-Tochter Bank Austria an die Konzernmutter Unicredit haben die HVB-Kleinaktionäre einen klaren Erfolg errungen. Das Landgericht München erlaubt den Anlegern zu klären, ob die Bank Austria zu billig verkauft wurde.

MÜNCHEN. Das Landgericht München I gab dem von den Kleinaktionären eingesetzten "besonderen Vertreter", dem Stuttgarter Anwalt Thomas Heidel, weitreichende Vollmachten. Damit kann er nun die Umstände des Bank-Austria-Verkaufs genau untersuchen.

Die Kleinaktionäre hatten den "besonderen Vertreter" auf der letzten Hauptversammlung der HVB durchgesetzt, weil sie den Verkaufspreis für viel zu niedrig halten. Die Bestellung des "besonderen Vertreters" betrachten beide Seiten als Präzedenzfall. Die HVB hat die weitreichenden Vollmachten Heidels in Zweifel gezogen; das Urteil gibt nun dem Rechtsanwalt in den meisten Punkten recht.

Gegen den konzerninternen Verkauf der Bank Austria von der HVB an die Mutter Unicredit sowie die anschließende Zwangsabfindung der HVB-Kleinaktionäre gibt es eine Welle von Klagen. Sollten die Aktionäre nachweisen können, dass der HVB-Vorstand die ertragsstarke österreichische Tochter zu billig an die Konzernmutter Unicredit weitergereicht hat, könnten milliardenschwere Schadenersatzansprüchen auf den Bankkonzern zukommen. So haben Finanzinvestoren und Hedge-Fonds eine gemeinsame Schadenersatzklage über 17,5 Mrd. Euro eingereicht.

Der besondere Vertreter, Rechtsanwalt Heidel, kann nach dem gestrigen Gerichtsentscheid jetzt Zugang zu Dokumenten verlangen, die die HVB bislang nicht veröffentlicht hat. Heidel hofft nach eigenen Angaben vor allem auf Planungsunterlagen vor dem eigentlichen Verkauf. Der Anwalt erklärte, er werde Wirtschaftsprüfer mit der genauen Untersuchung der Umstände des Verkaufs beauftragen. Außerdem hoffe er auf Detailinformationen aus der Mitarbeiterschaft. Auch für Befragungen will er sich externen Sachverstands bedienen. Dank des Richterspruchs sei seine Rolle als "besonderer Vertreter" nun eindeutig definiert, er sei ein "Organ der HVB" und verdränge insofern den Vorstand.

Die HVB erklärte gestern hingegen, das Urteil erhalte nicht die notwendige inhaltliche Präzisierung der Befugnisse des besonderen Vertreters. Die Bank kündigte daher an, Berufung gegen das Urteil einzulegen. Eine aufschiebende Wirkung für die Arbeit Heidels hat diese Berufung aber nicht.

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