Bank of America
Alter Weggefährte soll Lewis retten

Nach einer spektakulärer Aktionärsrevolte musste Ken Lewis vergangene Woche seinen Posten als Aufsichtsratsvorsitzender der angeschlagenen Bank of America räumen. Für die Führung der Bank hat dieser Ämterverlust nur geringe Auswirkungen. Nachfolger des Bank-of-America-Chefs wird dessen Vertrauter Walter Massey.

NEW YORK. Am Ende musste er sich doch geschlagen geben. Nach einer turbulenten Hauptversammlung räumte Ken Lewis vergangene Woche seinen Posten als Aufsichtsratsvorsitzender der angeschlagenen Bank of America. Jetzt ist der 62-Jährige „nur noch“ Vorstandschef. Der Kauf der Investmentbank Merrill Lynch, mit der sich der Manager aus dem eher provinziellen Bundesstaat North Carolina zur Karrierekrönung eine respektable Wall-Street-Adresse zulegen wollte, wurde ihm zum Verhängnis. Weil er ihnen die Milliardenverluste der Neuerwerbung verschwiegen hatte, wollten die Anteilseigner eine Trennung von Managementleitung und Aufsichtsratchef (Chairman). Und erstmals in der Geschichte eines Konzerns aus dem Leitindex S&P-500 wählten sie einen Chairman tatsächlich ab – wenn auch mit denkbar knapper Mehrheit von 50,34 Prozent der Stimmen.

Eine Schlappe für den seit 2001 in Doppelfunktion unumschränkt herrschenden Machtmenschen Lewis, aber nicht das Ende. Denn er ließ mit dem 71-jährigen Walter Massey einen langjährigen Weggefährten und Vertreter des klassischen „Corporate America“ als Chefaufseher installieren.

Gefahr für Lewis dürfte von dem Physik-Professor und US-Multiaufsichtsrat, der ihn bereits seit 1998 auf seinen bisweilen riskanten Akquisitionstouren begleitet, nicht ausgehen. Der Afroamerikaner mit dem markanten Schnauzer hat sich eher als Wissenschaftsmanager denn als scharfer Aufseher einen Namen gemacht. So leitete er in den 90er-Jahren die staatliche Wissenschaftsförderagentur NSF und war Berater beider Präsidenten Bush im Wissenschaftsrat des Weißen Hauses. In seiner Karriere kämpfte Massey vor allem um eine bessere Verzahnung von Forschung und Industrie. So sitzt er bei einigen Großkonzernen wie McDonald’s, BP und eben Bank of America seit langem im Aufsichtsrat und gilt als Teil des Establishments. „Bei einigen Firmen mag diese Trennung der Ämter etwas verändern, bei der Bank of America wird es das nicht“, sagte Tony Plath, Wirtschaftsprofessor an der Universität von Charlotte und Kenner der lokalen Machtstrukturen.

Ob Lewis mit diesem Schachzug seine bis zum Merrill-Desaster glänzende Karriere gerettet hat oder nicht, wird wohl in Washington entschieden. Seit der Merrill-Übernahme stecken 45 Mrd. Dollar an Staatshilfen in der Bank. Doch die Regierung hat allen Grund, Lewis zu stützen, denn der damalige Finanzminister Henry Paulson drängte ihn vor der Merrill-Übernahme im Dezember dazu, seinen Aktionären die Wahrheit vorzuhalten und die bittere Pille Merrill zu schlucken. Die Aufseher fürchteten beim Platzen der Übernahme einen Kollaps der Investmentbank. „In dieser schwierigen Situation macht Lewis seinen Job so gut er eben kann“, verteidigt ihn Anthony Polini, Analyst bei Raymond James Financial.

Wenn in dieser Woche die Resultate der Stresstests der Regierung für die US-Banken bekannt werden, dürfte Washington ohnehin endgültig das Sagen bei dem Institut übernehmen. Es zeichnet sich ab, dass die Bank entweder mehr Geld braucht oder ältere Hilfen in Aktienkapital umgewandelt werden. Dann dürfte die Hauptversammlung 2010 von Staatsstimmen dominiert werden. Spötter lästern schon, der hochdekorierte Lewis wäre dann erster Anwärter auf eine Sonderauszeichnung. Als einziger Finanzmanager war er nämlich bereits zwei Mal „Banker des Jahres“ – ironischerweise zuletzt 2008 wegen der zunächst als kluger Schachzug gefeierten Merrill-Übernahme. Nun wäre er der erste Anwärter auf den neu zu schaffenden Preis „Staatsbanker des Jahres“, wird gelästert.

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