Bank of America
BoA-Chef: Nachfolger dringend gesucht

Der Kreis der möglichen Nachfolger für den scheidenden Chef der Bank of America, Ken Lewis, wird offenbar immer kleiner. Das mit der Suche beauftragte Gremium habe sich auf zwei interne Kandidaten fokussiert, berichtet das „Wall Street Journal“.

NEW YORK. Es sind der Risikovorstand Gregory Curl und der Chef des Privatkundengeschäfts, Brian Moynihan. Vergangene Woche waren noch sechs Manager im Gespräch. Gleichzeitig gehe die Suche nach einem Kandidaten von außerhalb weiter, hieß es.

Lewis hatte vor einer Woche mitgeteilt, seinen Posten am Ende des Jahres niederzulegen. Seitdem werden innerhalb der nach Vermögenswerten größten US-Bank mehrere Szenarien durchgespielt. Denkbar wäre etwa ein Übergangschef, der das Institut etwa zwei Jahre lang leitet. Das gäbe der Bank Zeit, in Ruhe einen langfristigen Kandidaten zu suchen oder aufzubauen. Medienberichten zufolge sucht die Bank parallel dazu auch nach einem Notfall-Chef, der einspringen könnte, falls der seit 2001 amtierende Lewis schon vor Jahresende zurücktreten müsse. Wegen umstrittener Bonuszahlungen an Mitarbeiter der Ende 2008 übernommenen Investmentbank Merrill Lynch laufen Ermittlungen gegen den 62-Jährigen. Die Ermittlungen der Börsenaufsicht SEC und des New Yorker Generalstaatsanwalts Andrew Cuomo könnten Lewis möglicherweise vor dem 31. Dezember zu Fall bringen.

Dem Bericht zufolge ist Risikovorstand Gregory Curl ein Übergangskandidat. Der 61-Jährige agiert seit Jahren eher als der Strippenzieher im Hintergrund. Er gilt als Architekt von Lewis wichtigsten Übernahmen und führte auch die Verhandlungen im Vorfeld der Merrill-Übernahme. Mit diesem Coup wollte Lewis die Wall Street erobern. Doch stattdessen brachte sie ihm weitaus mehr Probleme ein als zunächst angenommen. Die Verluste der ehemals viertgrößten US-Investmentbank waren deutlich größer, so dass die Bank of America ein zweites Mal Staatshilfen in Anspruch nehmen musste. Insgesamt wird das Institut, das rund eine Billion Dollar an Kundeneinlagen verwaltet, mit 45 Mrd. Dollar gestützt. Curl kam von der Bank Boatmen's Bancshares aus St. Louis. Er half dabei, das Institut an die Nations Bank zu verkaufen, dem Vorgänger der Bank of America.

Brian Moynihan könne dagegen ein längerfristiger Chef werden, hieß es. Der 49-jährige Jurist gehört zu Lewis Beratern und kennt die wichtigsten Sparten der Bank sehr genau. Er leitete die Vermögensverwaltung und das Investment-Banking, bevor er Chef des Privatkundengeschäfts wurde. Auch er war eng mit dem Merrill-Deal vertraut. Beobachter gehen davon aus, dass beide Kandidaten von der US-Regierung genau geprüft werden. Washington will sich an der Nachfolgersuche zwar nicht direkt beteiligen. Es gilt jedoch als wahrscheinlich, dass die Regierung ein Veto einlegen wird, falls ihr der Lewis–Nachfolger nicht zusagt.

Astrid Dörner ist Korrespondentin in New York.
Astrid Dörner
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