Bank of America
Das überraschende Ende einer zähen Suche

Am Ende war es eine pragmatische Entscheidung: Ein Eigengewächs führt künftig die Bank of America. Externe Wunschkandidaten hatten dem Aufsichtsrat zuvor einen Korb gegeben. Damit endet eine monatelange, peinliche Suche.
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DÜSSELDORF. Am Ende war es für die Aufsichtsratsmitglieder der Bank of America eine pragmatische Entscheidung. Statt eines Bankers von der Konkurrenz mit glamourösem Wall-Street-Lebenslauf wählte das Kontrollgremium des größten US-Kreditinstituts einen nüchternen Juristen und internen Kandidaten zum neuen Chef. Der 50-jährige Brian Moynihan, bislang Leiter des Privatkunden- und Mittelstandsgeschäfts, soll den in Turbulenzen geratenen Finanzgiganten jetzt aus der Krise führen.

Mit der Entscheidung endet eine monatelange, peinliche Suche der Aufseher des Instituts, das wegen der Übernahme der Investmentbank Merrill Lynch im Blickpunkt staatsanwaltlicher Ermittlungen steht und immer noch mit den Folgen der Finanzkrise kämpft.

Merrill-Übernahme kostete den Vorgänger das Amt

Obwohl die Aufsichtsbehörden einen externen Kandidaten als Nachfolger für den scheidenden Bankchef Ken Lewis bevorzugten, gaben die Auserwählten der Wall Street dem aus dem eher provinziellen North Carolina stammenden Institut einen Korb. So sagte etwa noch an diesem Montag Robert Kelly, Chef der Bank of New York Mellon, ab.

Moynihan tritt mit Jahresbeginn 2010 ein schweres Erbe an. Denn nachdem sein Vorgänger das Regionalinstitut durch eine Serie von Übernahmen erfolgreich in einen Giganten verwandelt hatte, übernahm er sich bei der letzten Akquisition. Beseelt vom Traum, eine Wall-Street-Adresse zu schlucken, übernahm Lewis im Herbst 2008 die Investmentbank Merrill Lynch. Doch die Feierlaune hielt nicht lange an. Getroffen von den Auswirkungen der Finanzkrise wuchsen die Verluste der ehemaligen Wunschtochter dem Aufkäufer über den Kopf. Lewis veröffentlichte das Milliardenminus aber erst nach der entscheidenden Abstimmung der Aktionäre und sieht sich seither Untersuchungen des Parlaments und des New Yorker Generalstaatsanwalts Andrew Cuomo ausgesetzt.

Zudem musste das Institut kurz nach Vollzug der Merrill-Übernahme mit 45 Mrd. Dollar vom Staat gestützt werden. Obwohl die Bank das Geld gerade zurückgezahlt hat, wächst der Druck aus der Politik, das Institut zu zerlegen. Vielen gilt ein Finanzgigant wie die Bank of America als unregierbar.

Ken Lewis verkündete Ende September seinen Rückzug, weil es ihm nicht gelang, den Konzern aus den Negativschlagzeilen zu bringen. Ob Moynihan dies schaffen wird, muss sich noch zeigen. Schließlich war er an der Merrill-Übernahme selbst aktiv beteiligt.

Beobachter bezweifeln Moynihans Führungsqualitäten

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